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Wavemaster TWO NEO im Test - Neuauflage der Kompakt-Boxen für den PC (3/4)

Testsystem

Wenn man sich daran machen möchte, vernünftige Messungen zu erstellen, stellt man schnell fest, dass dieses mit Standardequipment nicht hinreichend funktioniert. Einfach irgendein Mikrofon an irgendeine Soundkarte anschließen und dann genaue Ergebnisse zu erwarten funktionier in der Regel nicht. Wir wollten aber dennoch gerne zumindest den Frequenzgang von Boxen und Kopfhörern abbilden können und haben daher ein wenig experimentiert, um unsere subjektiven Eindrücke zumindest etwas objektiv untermauern zu können

Wir besitzen aus den vielen Jahren, die wir nun schon PC-Komponenten testen, eine stattliche Ausrüstung an Soundkarten und haben auch so einige Mikrophone getestet und uns damit ein kalibriertes System zusammengebaut mit dem wir recht gut - aber sicher nicht perfekt - Frequenzgänge und auch die Laustärke bestimmen können.

Soundkarte und Mikrofon
Wir benutzen als Soundausgabe und zum Sampling eine EMU 0404. Eine sehr gut beleumundete externe Soundkarte/Sampler, die messtechnisch keine Fragen offen lässt und viele andere Soundkarten gerade in Sachen Recording locker hinter sich lässt. Als externes Modell ist sie auch sehr flexibel einsetzbar. So kann man die EMU 0404 USB sowohl an einem stationären Rechner oder, wie in unserem Fall, an einem Notebook verwenden. Um Treiberkonflikte zu vermeiden, wurde beim Dell Notebook die Onboard-Soundkarte deaktiviert. Die EMU 0404 arbeitet natürlich mit ASIO-Treibern, so dass auch Windows bzw. dessen Mixer umgangen wird.

Als Messmikrofon verwenden wir ein Beyerdynamic MM1, zu dem wir auch eine Kalibrierungsdatei besitzen. Das gesamte System inklusive der Soundkarte ist komplett durchgemessen und kalibriert.


(Messung der EMU404-Soundkarte mittels RightMark Audio Analyzer)

Messungen

Kommen wir nun zu den eher sachlichen und nüchternen Dingen, nämlich den Messungen. Wie Eingangs erwähnt, finden diese normalen Raum (etwa 40 m²) statt und unterscheiden sich deswegen sicher von den typischen Messungen aus speziell eingerichteten Messlabors. Für unsere Zwecke reicht der Testraum aber aus.

Wir kommentieren die Messungen deswegen auch nur kurz und nutzen sie hauptsächlich als Hilfestellung um zum Beispiel den Einfluss von Bassregler, Loudness oder andere Features, die Einfluss auf den Klang haben zu analysieren. Die Messungen sind auch gut geeignet um zum Bespiel zu sehen wo Frequenzweichen arbeiten oder die Übergänge der einzelnen Lautsprecher bzw. Weichen zu finden sind.


Frequenzgang der Wavemaster Two Neo bei mittelhoher Laustärke etwa um die 90 dBA.

Beim ersten Blick fallen an der Wavemaster Two Neo vor allem wieder zwei Punkte auf, die wir auch schon beim Vorgänger gesehen haben. Zum einen der kräftige Bassbereich, der tatsächlich bis zu 40 Hz herunter reicht und erst dann steil abfällt. Die kleine Überhöhung im Bereich von 120 Hz wird vermutlich durch die Aufstellung auf der Tischplatte verursacht, wo die Box in der Regel ja auch stehen wird. Ebenfalls zu sehen ist die Bassreflexabstimmung bei 65 Hz.

Als zweiter Punkt fällt eine deutliche Senke bei 1000-1500 Hz auf, auch diese haben wir schon beim Vorgänger gesehen. Hierbei dürfte es sich um den Übergang zwischen Tieftöner und Hochtöner handeln. Der Bereich fällt dementsprechend etwas schwächer aus.

Die neue Wavemaster Two Neo besitzt an der Fernbedienung einen Loudness-Taste, die bei geringeren bis mittleren Laustärken zu einer deutlichen Anhebung der Bassfrequenzen führt. Wie man an der Messung sehen kann hebt Loudness die Frequenzen unterhalb von 1500 Hz an.


Vergleich der Wavemaster Two Neo mit und ohne Loudness

Der zusätzliche Bassregler der Wavemaster Two Neo greift ab etwa 200 Hz und bringt damit vor allem im Bereich zwischen 40 und 100 Hz deutlichen Zuwachs. Auch hier sieht man wieder deutlich, dass die Box bis zu 40 Hz kaum Probleme beim Bass hat. Unterhalb von 40 Hz geht der Frequenzgang in jedem Fall deutlich abwärts, da hilft auch der Bassregler nicht weiter.


Bassanhebung der Wavemaster Two Neo

Mit dem Trebble, also dem Hochtonregler, werden die Frequenzen oberhalb von 4 KHz angehoben. Tiefe Hochtöner laufen von etwa 3 bis 12 KHz. Wie man schön an der Messung sehen kann, bleibt also die Senke bei 1500 Hz von beiden Reglern unbeeinflusst stehen. In diesem Bereich darf man die Box also als etwas schwach auf der Brust bezeichnen. In der Praxis viel uns das allerdings nicht wirklich unangenehm auf.


Höhenregler der Wavemaster Two Neo

Klangqualität

Die Klangqualität der neuen Wavemaster TWO NEO lehnt sich natürlich an die Wavemaster TWO an. Wavemaster hat die Boxen im Wesentlichen nur um mehr Features erweitert und die Grundlage der erfolgreichen Vorgänger beibehalten. Was die Soundqualität angeht liegen die neuen TWO NEO also zum Glück also wieder auf tollem Niveau.

Vom Start weg, haut auch bei der neuen TWO NEO die Seidenkalotte den Hochton recht harsch heraus. Die Höhen anzuheben erscheint einem bei der neuen Box daher mehr oder weniger als absurd, eher dreht man sie etwas zurück. Man sollte der Box daher gut eine Woche Einspielzeit gönnen. Nach ein paar Tagen legt sich die Härte und Bass und Hochton passen deutlich besser zueinander und es macht auch gelegentlich mal Spaß je nach Song oder in Games die Höhen etwas aufzudrehen.

Wieder begeistert uns auch bei der neuen TWO NEO der tiefreichende und knackige Bass, den man so im Bereich kompakter PC-Lautsprecher nur selten findet. Das man nun noch einen Subwoofer zusätzlich in die Waagschale werfen kann erscheint uns eigentlich fast nicht notwendig, dürfte aber Liebhabern von absolutem Tiefbass sicher gefallen.

Die Herstellerangabe von 45Hz als untere Frequenz ist bei der TWO Neo nicht übertrieben. Tatsächlich kann die Wavemaster TWO gut Frequenzen bis zu 40 Hz wiedergeben, allerdings fallen diese dann hörbar leiser als im Bereich ab 60 Hz aus.

Wer sich von der Bassqualität überzeugen möchte, dem sei als erstes Tim Bendzko nahegelegt. Das Lied "Noch nie (feat. Aitzi)" vom Album "Am seidenen Faden/Unter die Haut", bietet ab Minute 1:10 einen recht ordentlichen Kickbass. Dieser kommt wirklich schön schnell und trocken, ohne zu wummern oder zu dröhnen.

Wenn es noch tiefer sein soll, sollte man zu Massive Attack greifen. Das erste Stück "Angel" vom Album "Mezzanine" hat es echt in sich. Vom Tiefbass her stößt unser Testkandidat hier zwar an seine Grenzen, was bei dem Lied allerdings auch nicht wundert. Interessant ist aber, dass trotz des sehr tiefen Bassbereichs der Mittel- und Hochton nicht leidet. Sehr oft kommt es vor, dass der Bass unsauber wird und fast alles andere verdeckt. Das ist mit den Wavemaster TWO nicht der Fall.

Dass die Übergangsfrequenz in einem empfindlichen Bereich liegt, hatten wir bereits erwähnt. Hier ist das Stück "Grandma's Hands" von Livingston Taylor ein guter Test (High-Ender kennen das Stück sicher in- und auswendig). Die Stimme hat tatsächlich "Brust", was selbstverständlicher klingt als es ist: Oft fehlt Stimmen gerade bei kleinen Lautsprechern der Körper. Es gibt aber auch durchaus den einen oder anderen Song, wo wir den Eindruck hatten, dass der Mitten-Bereich etwas in den Hintergrund tritt und man ihn gerne deutlicher hätte. Dabei klingen die Wavemaster TWO NEO allerdings trotzdem immer gut.

Die Wavemaster TWO NEO klingen einfach toll, vor allem wenn man die Größe der Boxen im Auge hat. Je nach Aufstellung und Größe des Raums kann man an die Bässen vielleicht noch etwa anheben, bei den höhen hatten wir allerdings eher nicht das Bedürfnis. Insgesamt bieten die TWO NEO einen klasse Sound, der sich von Klassik bis Pop sehen lassen kann und tatsächlich auch in Games einen guten Eindruck hinterlässt.

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