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MSI X99S Gaming 9 AC/ACK im Test - Mainboard mit Streaming-Hardware (4/8)

MSI Streaming Engine

Das herausstechende Feature des MSI X99S Gaming 9 AC ist natürlich der neue MSI Steaming Engine. MSI hat hier wirklich eine nette Idee ausgearbeitet, die in Kreisen von Letsplay , Game-Rekording oder auch Esports-Streaming sicherlich gut ankommen wird.

Der MSI Streaming Engine ist nicht etwa irgend eine getarnte " Pesudo-Software-Lösung", sondern ein echter H.264 Hardware Encoder, den man sich bei MSI über durchaus bewährtes Equipment an Board geholt hat.

Hinter dem Streaming Engine verbirgt sich keine fest auf dem Board fest integrierte Lösung, sondern eine kleine Mini-PCIe Steckkarte, die unter der Metallabdeckung in einem Standard Mini-PCIe Slot in das Board gesteckt ist. Die Steckkarte kann mit etwas Geschick natürlich auch aus dem Mainboard ausgebaut werden.

Was zur Überraschung zu Vorschein kommt, ist eine Steckkarte von AverMedia. AverMedia dürfte einigen vielleicht durch seine TV-Karten und Capture-Lösungen bekannt sein. Der Hersteller war einer der ersten Anbieter, die spezielle günstige HDMI-Capture-Lösungen für Gamer angeboten haben, die unter den Namen "Game Capture" oder "Live Gamer" zu finden sind. AverMedia bietet auch eine ganze Reihe von Video-Lösungen für Systemintegratoren an und da hat sich MSI an einer bereits existierenden Lösung bedient und diese etwas umbauen lassen.

Das auf dem Mainboard genutzte MiniPCIe Capture Board dürfte eine abgewandelte Version des Dark Crystal-HD-Capture-MiniPCIe sein, welches um seine digitalen und analogen Eingänge beschnitten wurde, da die hier genutzt Lösung direkt aus dem Framebuffer grabt und nicht über ein externes Signal. Die komplette Signalverarbeitung für die Eingänge konnte auf dem Board weggelassen werden, so dass am Ende quasi ein reiner Hardware H.264 Encoder übrig blieb. Der Encoder besitzt wie man sieht auch einen Puffer-Speicher, was ein besseres Encoding ermöglicht und Dropouts verhindert.

Zusammen mit der AverMedia Hardware kommt beim X99 Gaming 9 AC die zum Lieferumfang des Boards gehörende 2 Jahres Lizenz von Gamecaster von Xsplit zum Einsatz. Normalerweise kostet diese Software 14,95 USD für 3 Monate.

Die Die XSplit Gamecaster Software gehört derzeit zu den meist genutzten Programmen, wenn es um Letsplay oder Game-Streaming geht und gilt als sehr ausgereift, da sie schon lang auf dem Markt ist und auch im eSports weitläufig genutzt wird.

In der Software muss unter den Einstellungen lediglich der AverMedia H.264 Hardware Encoder ausgewählt werden und schon ist das Ganze auch einsatzbereit. Das Aufzeichnen erfolgt dann komplett ohne Belastung der CPU/GPU und wird direkt über den AverMedia Encoder abgewickelt.

Um eine Aufnahme zu Starten genügt es im Game CTRL+TAB zu drücken um ein spezielles Recording/Streaming Menu aufzurufen. Zudem kann man auch beliebige Tasten mit entsprechenden Funktionen belegen, so dass man ohne aktivieren des Menus die Befehle ausführen kann.

Der Gamecaster läuft natürlich auch ohne die MSI Streaming-Hardware und unterstützt Encoding über CPU oder anderen installierte Codecs. Um zu sehen welchen Unterschied das macht, haben wir hier drei mal eine kurze Szene aus Crysis 3 aufgenommen. Wir haben uns dabei absichtlich für ein "Standbild" entschieden um die Unterschiede in der Performance und CPU Belastung besser zu sehen und weniger Schwankungen zu haben. Genutzt wurde eine GeForce GTX 980 Grafikkarte und die Core i7 5820K CPU.

Verglichen werden drei Aufzeichnungsarten. Wir beginnen mit der Aufzeichnung via CPU Encoder, dann nutzen wir den NVENC GPU Encoder und abschließend den AverMedia Hardware Encoder. Bei jeder Szene starten wir die Aufnahme und nehmen das Geschehen auf unserem Bildschirm auf. Was hier zu sehen ist, ist also nicht die Aufnahme des Gamecasters, sondern der dabei angezeigte Bildschirm, wie ihn der Spieler bei der Aufzeichnung sieht.

Ohne Aufzeichnung liefert die getestete Szene etwa eine Performance von 105 bis 109 FPS bei einer CPU Belastung von etwa 40%.

In den Videos werden FPS und CPU Last oben links im Bild angezeigt. Die Anzeige ist leider recht klein und nur zu sehen, wenn man die Videos im Vollbild anschaut. Leider ist es nicht möglich zu Gamecaster weitere zusätzliche Overlays einzublenden um zum Beispiel die GPU Auslastung und weitere Daten anzuzeigen.

CPU Encoder - 105 FPS - bis 60% CPU Load

Der erste Version mittels CPU Encoder, verspricht zwar mit etwa 105 FPS eine gute Leistung, die CPU Last steigt aber auf bis zu 60%. Das klingt wesentlich besser als die Realität, denn das Game wird bei der Aufnahme spürbar laggy und neigt auch zwischenzeitlich zu "Hängern" wenn die CPU Belastung zu hoch wird. Bei der entstandenen Aufnahme sind zum teil deutliche Dropouts zu sehen, in denen Bilder ausgelassen wurden.

NVENC GPU Encoder - 91-95 FPS - bis 40% CPU Load

Der Zweite Versuch mittels NVENC Encoder dreht den Spieß um. Da hier das Encoden auf der GPU erfolgt, bleibt zwar die CPU Last unten, dafür verliert man messbar Performance bei der Grafikausgabe. Sobald man die Aufzeichnung beginnt fallen die FPS auf 91 bis 94 von vorher etwa 105 ab. Man verliert also gut 10 bis 15 FPS durch die Aufzeichnung. Auch bei dieser Methode wirkt das Game zudem etwas laggy, aber lange nicht so deutlich wie bei der Aufzeichnung mit CPU-Encoding.

MSI Streaming Engine - 105 FPS - bis 40% CPU Load

Zum Schluss erfolgt die Aufzeichnung mit dem MSI Streaming Engine. Hierbei gibt es eigentlich überhaupt keinen spürbaren Unterschied zum normalen Gaming. Einzig das abspeichern des Streams auf die Festplatte nimmt etwas mehr CPU Leistung in Anspruch. Hier sollte man also eine wirklich schnelle Speicherlösung nutzen, damit es nicht zu Verzögerungen kommt.

Von den drei Lösungen ist die Version über den MSI Streaming Engine nicht nur klar die Leistungsstärkste, sondern auch gefühlt der Beste, da sich so gut wie überhaupt kein Einfluss auf das Spielgeschehen bemerkbar macht. Man sollte nur darauf achten, dass man die Aufzeichnung nicht auf die gleiche Festplatte vornimmt, auf der das System bzw. Game läuft, ansonsten kann es auch hier beim Nachladen des Spiels zu deutlichen Rucklern kommen.



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