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Alt 28.12.2021, 17:29   #14 (permalink)
Killerpixel
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Standard AW: [Erfahrungsbericht] Pixels Mobilitätswende

Hier nun das versprochene Update. Oben natürlich auch bereits ergänzt.

Die Abholung

Nach dem Ganzen Theater bezüglich der Terminierung, blieb es diesmal beim vereinbarten Zeitpunkt. Abholung also am 17.12. in Dresden. Somit waren es am Ende, von Bestellung bis Abholung, 45 Tage. Trotz des ganzen Chaos dazwischen, das Tesla verzapft hat, sind solche Lieferzeiten für neue Fahrzeuge derzeit nirgendwo sonst zu haben.

Die Abholung selbst erfolgt, wie schon die Bestellung und der Erstkontakt, wieder sehr unkompliziert und unaufdringlich. Kein Verkäufer der um einen rumspringt oder ähnliche Geschichten.

Nach Ankunft im noch sehr neuen Tesla-Store in Kesselsdorf, gab es einen kurzen Check-In.

Die beiden netten Damen am Tresen haben meine Dokumente (ZBII und COC gehen natürlich zum Leasinggeber) und Kennzeichen in Empfang genommen und meinen Ausweis sowie Impfstatus geprüft. Hier sei kurz erwähnt, dass man mir auch angeboten hat, die Dokumente vorm Gebäude zu empfangen, sollte kein Impfnachweis vorhanden sein.

Nachdem in meinem Tesla-Account alles nochmal geprüft wurde (Verträge unterzeichnet, Anzahlung überwiesen) bekam ich das Papp-Etui mit den beiden RFID-Schlüsselkarten für’s Auto ausgehändigt und mir wurde der Weg zu den Autos in der Tiefgarage gezeigt.

Dort wurde ich von einem Mitarbeiter des Serviceteams in Empfang genommen, der mir gezeigt hat, welches von den vielen Autos meines war. War auch nich schwierig, das einzige blaue Model 3 in der ganzen Sammlung. Die Kennzeichen waren bereits montiert. Ebenso waren die Winterräder montiert. Die Sommerräder lagen in Tüten verpackt hinter dem Auto, bereit zum Einladen. Kurze, für mich eigentlich unnötige, Einweisung in die Verwendung der Schlüsselkarte gab es, auch wurde mir gesagt, dass mein Auto in der Tat vom Lieferengpass betroffen ist und daher derzeit nicht mit QI-Lader und USB-C Ports (vorne) ausgestattet ist. Entsprechende Info ist im Konto hinterlegt, sobald verfügbar wird das ganze im mobilen Service (vom sogenannten „Tesla Ranger“) bei mir zu Hause oder auf Arbeit nachgerüstet. Dafür wurde war das Kaltwetter-Zusatzpaket (also Rücksitz- sowie Lenkradheizung) bereits freigeschaltet. Zum Zeitpunkt meiner Bestellung war das noch nicht Teil des Standardumfangs, wurde aber wohl allen Auslieferungen ab November 2021 nachträglich hinzugefügt. Danach wurde ich alleingelassen, um mir das Auto anzuschauen und einzustellen. Das Serviceteam war allerdings in der Tiefgarage unterwegs und ansprechbar.

Es folgte der obligatorische Check des Fahrzeugs. Ich hatte mich natürlich vorher informiert, welche Punkte speziell beachtet werden sollten, habe mich allerdings nicht mit einer dreiseitigen Checkliste bewaffnet. Und was soll ich sagen? Alles passt. Man sieht hier und da minimale Inkonsistenzen in den Spaltmaßen, aber so genau schaut sich keiner ein Auto an, damit kann ich leben. Wichtig ist die Passung zwischen vorderer Stoßstange und Haube, sowie die Einpassung der Dachscheiben, da dort bei Überstand sehr nervige Windgeräusche entstehen können. Passt aber alles. Lack ist ebenfalls ohne Makel. Auch die wohl recht häufig anzutreffenden beschlagenden Rücklichter habe ich tatsächlich nicht erwischt. Alle Funktionen sind in Ordnung, öffnen von Kofferraum, Frunk, Ladeklappe sowie Entriegelung per App klappen ebenfalls. Nach den diversen Horror-Meldungen (wobei das zugegebenermaßen hauptsächlich die Model 3 made in USA betrifft) war ich positiv überrascht.

Zubehör ist ebenfalls vollständig; 128 GB USB-Stick im Handschuhfach, hochwertiges 4,5m 32A Typ2-Kabel, Schuko-Ladeziegel und Verbandskasten (noch nicht auf neuem 2022er Standard, Maske muss also meinerseits „nachgerüstet“ werden) mit Warnweste im Kofferraum. Außerdem beiliegend war ein paar größere Schmutzfänger für die vorderen Radkästen, sollten die Vormontierten nicht reichen.

Nachdem ich im Innenraum kurz Sitz, Lenkrad und Spiegel eingestellt, sowie alle Funktionen am Display kurz geprüft (alles bestens) und den Akkustand (54%) angeschaut habe, hab ich dem Serviceteam das Go gegeben. Die Sommerräder wurden eingeladen und die Auslieferung im Account als abgeschlossen markiert. Ab hier hätte ich nun alle eventuellen Mängel direkt in der App melden und einen entsprechenden Servicetermin vereinbaren können, sofern es nicht direkt hätte gelöst werden können. Das Model Y das zur Auslieferung neben mir stand, hatte scheinbar etwas weniger Glück. Dort wurde sowohl die Heckklappe frisch eingestellt, als auch der Lack auf der Frunk-Haube direkt nochmal poliert.

So war aber alles am Auto in Ordnung und nach insgesamt etwas mehr als einer Stunde von Check-in bis Abschluss bin ich abgefahren. Alles sehr unaufgeregt und hands-off. Kein großes Terz um die Auslieferung, die nötigen Einweisungen übergeben und das war’s. Zeitlicher Druck wurde keiner gemacht, ich hätte mir das Auto wohl auch zwei Stunden anschauen können.

Erste Fahrt war, natürlich, zum nächsten Supercharger, in dem Fall Nossen. Auch das funktioniert, aber hier tauchte auch schon der erste Kritikpunkt zum Auto auf, dazu aber im „Review“ mehr.

Fazit zum Bestellprozess

Die Abholung war, wie bereits erwähnt, wieder wie die Bestellung am Anfang. Alles unkompliziert und ohne Händchenhalten, genau wie es mir gefällt, ich will keinen schmierigen Autoverkäufer, der um mich rumspringt. Trotzdem war das Auslieferungs- und Service-Team für Fragen verfügbar, freundlich und kompetent. Fragen zum Auto konnten beantwortet werden, im Gegensatz zu den Kollegen bei Ford.

Wenn man jetzt die Phase zwischen Bestellung und Abholung noch etwas beruhigt und an der Kommunikation arbeitet, wird auch das Gesamtpaket stimmig. Aber das ganze Theater war leider doch ein ganz ordentlicher turn-off.

Sobald sich die Lieferketten-Probleme legen und die anderen wieder in Menge bauen und liefern können, wird Tesla zumindest in Europa nen gehörigen Realitätscheck bekommen, sollte das so weiterlaufen wie bisher. Da hilft ihnen auch die Fabrik in Grünheide nicht, wenn sie einfach nicht mit ihren Käufern kommunizieren (können)

Konfiguration, Bestellung und Auslieferung sind wunderbar relaxed und simpel, da passt das unglaubliche Generve dazwischen, mit Verträgen, Standorten und Terminen echt überhaupt nicht rein.

Da kam ja bereits die Anweisung von ganz oben, diesen Druck zum Quartalsende sein zu lassen und die Bestellungen so auszuliefern, wie sie eben kommen. Kann man nur hoffen, dass das fruchtet. Vielleicht hilft da auch das Werk in Brandenburg, wenn nicht mehr mehrere Tausend Autos gleichzeitig per Schiff ankommen und schnell ausgeliefert werden müssen, weil kein Platz ist.


Kommen wir nun zum Auto selbst.


Tesla Model 3, late 2021 – Eindrücke und erste Bewertung

Die erste Fahrt war somit vom Service Center Kesselsdorf zum Supercharger an der A14 in Nossen, ziemlich genau 30 Kilometer. Da es nicht meine erste Tesla-Fahrt war, war es nicht so abenteuerlich wie es für einen kompletten Neuling sicher wäre. Dennoch musste ich mich wieder ans One-Pedal Driving gewöhnen. Geräuschkulisse war in Ordnung, wenn auch nicht repräsentativ, da die Winterräder generell lauter sind, die Rücksitze umgeklappt und eine Satz Räder mit raschelnden Tüten eingeladen war. Zumindest waren die Windgeräusche aber angenehm leise. Die Doppelverglasung der Seitenfenster hilft da doch sehr. Bei der Fahrt am nächsten Tag, mit leerem Auto, war alles schon nochmal deutlich ruhiger. Ab ~150 km/h wird es merklich lauter, aber wenn man nicht gerade irgendwas in der Klasse eines 5er fährt, ist das eigentlich überall so.

Inzwischen, Stand 28.12.21, stehen 1400 km und etwas über einer Woche auf dem Arbeitsweg auf der Uhr. Die folgenden Erfahrungen und Eindrücke stammen also aus dieser Zeitspanne.

Verarbeitung, Qualität und Stauraum

Vielen ist, denke ich, bewusst dass das Model 3 sehr minimalistisch gestaltet ist. Das muss einem natürlich gefallen. Dennoch finde ich das Auto, für den Preisbereich, angenehm gut verarbeitet.

Auch die Materialien im Innenraum haben mich von Anfang an positiv überrascht. Ein großer Teil ist mit dem hübschen Kunstleder bezogen, das sich auch am Lenkrad und den Sitzen findet, in den Türen gibt es schöne Alcantara-Flächen, Armaturenbrett und Türen-Inlays sind tatsächlich aus Echtholz, kein Kunststoff in Holzoptik. Die Flächen, die tatsächlich aus Kunststoff bestehen, sind zumindest unterschäumt, so dass keine unbequemen harten Ablagen entstehen.

Stauraum gibt es reichlich. Zusätzlich zum Handschuhfach gibt es zwei vergleichsweise enorme Ablagefächer in der Mittelkonsole. Die sind schon fast zu tief. Mit zusätzlich erhältlichen Einsätzen, bieten beide Ablagen dann zwei Ebenen, können damit besser sortiert werden. Ein absolutes Muss und sollte, meiner Meinung nach, zur Standardausstattung gehören. Die Lade-Ablage für Smartphones ist auch für große Geräte gut geeignet und hat leichte Erhöhungen, so dass auch bei Kurvenfahrten die Geräte auf der Ladeposition bleiben.

Kofferaum ist üppig, leidet aber natürlich unter der typischen Limousinen-Ladeluke und der hohen Ladekante. Dafür gibt’s im Frunk zusätzlich Stauraum, dort auch mit Kunststoff-Auskleidung statt Teppich, also auch für dreckige Gegenstände besser geeignet.

An der Ladesäule

Am Supercharger fing alles gut an. Öffnung der Ladeklappe per Knopf am Kabel funktioniert, eingesteckt und Ladevorgang startet, so soll es sein. Dann aber die Ernüchterung: Ganze 33 kW Ladeleistung nach 5 Minuten. Zwar ist klar, dass ein kalter und halbvoller Akku nicht gerne schnell lädt, aber das ist schon arg schwach. Zur Sicherheit bin ich fix an eine der anderen Säulen gefahren, um das auszuschließen, Ergebnis leider identisch. Bisherige Tesla-Erfahrungen waren alle mit den Li-NMC Akkus von Panasonic, die bringen auch kalt zumindest um die 70 kW von Beginn an. Die neuen LFP-Zellen von CATL scheinen da doch sehr empfindlich zu sein und noch wesentlich mehr Temperatur zu brauchen. Spaßeshalber habe ich während dem Ladevorgang mal den nächsten Supercharger als Navi-Ziel ausgewählt: Nempitz, an der A9 bei Leipzig. Etwa 100 km und eine Stunde fahrt. Und direkt nach Start der Route begann das Auto, den Akku zu konditionieren, das ist schon sehr früh.

Auch um einen Defekt auszuschließen, hab ich am nächsten Tag von Zuhause tatsächlich die Fahrt zu besagtem Supercharger in Nempitz angetreten und nebenbei noch Verwandtschaft besucht. Mit ordentlicher Vorkonditionierung und Ankunft mit 30% Akku sah das schon deutlich besser aus. Direkt zum Start gab’s 140 kW, viel mehr geht an den V2-Superchargern sowieso nicht.

Nach diversen Testfahrten, die den Akkustand wieder schrumpfen ließen, war ich als nächstes bei einem 300 kW Hypercharger von EnBW, auch hier wieder mit warmem Akku. Dort gab es tatsächlich, wenn auch nur kurz, die maximalen 170 kW, die das Auto kann. Technisch also alles bestens, das Auto braucht zum Schnellladen aber nochmal deutlich mehr Liebe, als ältere Modelle. Dem gegenüber steht aber natürlich auch, dass die LFP-Zellen DEUTLICH kältebeständiger sind und sich auch nicht daran stören, öfters mal auf 100% geladen zu werden, im Gegenteil: das wird sogar empfohlen. Da das Schnellladen bei mir ohnehin keine regelmäßige Sache ist und der nächste flotte DC-Lader mindestens 30 Minuten Fahrt entfernt ist, wird es mich vermutlich auch nicht oft treffen, mit kaltem Akku an einem anzukommen.

Vielleicht sollte man hier dennoch versuchen, ob man nicht per Software irgendwie nachkorrigieren kann.

Reichweite und Verbrauch

Bei 1400 km Fahrleistung, auch im Alltagsbetrieb, lässt sich schon ganz gut der Regelverbrauch ermitteln. Auf der Fahrt zur Arbeit, auf der es insgesamt 250 Höhenmeter abwärts geht, kommen zum Teil nur 12 kWh/100km zustande, meist aber so um die 14, also genau der Herstellerangabe entsprechend. Wiederrum auf dem Rückweg, bergauf, mittelt es sich um die 24 kWh/100km. Für meinen gesamten täglichen Arbeitsweg brauche ich etwa 16 kWh insgesamt, je nach Verkehrslage. Insgesamt stehen, bereinigt, für die kompletten bisherigen 1400 km, 18 kWh/100km auf der Uhr. Das enthält mehrere schnellere Autobahnfahrten, inklusive mehrmals vMax (man muss ja alles testen, nech? ��)

Der Wert ist, so wie er bisher steht, 2 kWh/100 niedriger, als ich es für meine eigenen finanziellen Rechnungen angenommen habe. Somit hat sich also die mehr als Halbierung der Kosten pro 100km gegenüber dem Diesel auch in der Praxis bestätigt. Muss man nun sehen, wie lange das so bleibt. Vermutlich wird es aber zumindest auf kurze Sicht sogar besser, da die Effizienz bei höheren Temperaturen grundsätzlich steigt. Natürlich können aber die Stromkosten steigen. Solar ist derzeit noch coming soon.

Volle Reichweite kann ich derzeit schlecht direkt ergründen, da ich noch nicht von 100-0 gefahren bin. Mit den vorhanden Verbrauchswerten auf den vollen Akku, kommen bei der derzeitigen Witterung aber ungefähr 300-330 km raus. Mehr als ausreichend.

Fahrleistungen

Bei den Fahrleistungen habe ich, beim Standardmodell, nicht die ultimative Rakete erwartet. Das hat sich soweit auch bestätigt. Man merkt dem Auto deutlich an, dass es an Traktion mangelt. Man kann sich also an der Ampel nur bedingt mit den AMGs dieser Welt anlegen. Aber der stehende Start ist halt auch so bisschen Spielerei. Auf der Landstraße ist die Experience absolut klasse. Beschleunigung auf 100 und Überholvorgänge gehen sehr zügig, ohne einem das Gefühl zu geben, eine absolute Waffe zu bewegen. Kurzum: für den Alltag völlig ausreichend. Auf der Autobahn merkt man in den oberen Bereichen, wie dem Motor die Puste ausgeht. Das war zu erwarten, da fehlt der Zug des zweiten Motors und auch die Übersetzung ist darauf nicht ausgelegt.

Bedienung und Software

Die Bedienung über das Display war, natürlich, gewöhnungsbedürftig. Es ging aber tatsächlich schneller als erwartet.

Die Software ist grundsätzlich als gut einzustufen. Bedienung über’s Display ist angenehm intuitiv, die Anordnung und Sortierung der Menüs gefällt mir. Alles ist sehr zügig und ruckelfrei, die wichtigsten Punkte gibt es im Schnellzugriff. Die Sprachsteuerung klappt ebenfalls sehr gut und kann fast alle Funktionen des Autos steuern. Aufgefallen sind mir einige „Kleinigkeiten“ an denen man sieht, dass sich da jemand Gedanken drüber gemacht hat. Beim Betätigen des Schalters zum einmal Wischen am Lenkstockhebel öffnet sich das Scheibenwischermenü auf dem Display automatisch für einige Sekunden, für den Fall man möchte den Wischer dauerhaft aktivieren, ohne die Automatik. Öffne ich irgendein anderes Menü anstatt des Navi-Displays, verschiebt sich die nächste Routenanweisung automatisch in den „Fahrbereich“ des Displays und bleibt somit immer sichtbar, egal in welchem Menü ich sonst gerade so was mache. Das hab ich so auch bei CarPlay und co. Noch nicht gesehen. Wenn ich dort die Medienquelle wechseln oder aus dem Telefonmenü jemanden anrufen möchte, wird das Navi ausgeblendet. Kleinigkeiten, die mir gefallen.

Es gibt aber auch Kleinigkeiten, die mir nicht gefallen. Die Wiedergabe von Musik auf dem USB-Stick zum Beispielt, geht grundsätzlich in Ordnung. Jedoch ist das Handling von Unterordnern weniger gut. Dateien in Unterordnern werden zwar gefunden und können auch über Interpret/Album/Song abgespielt werden, es kann jedoch nicht der gesamte Unterordner abgespielt werden. Bei Ordnern in der Root-Struktur funktioniert das. Auch können Ordner nicht als Favorit markiert werden, geht nur bei einzelnen Songs. Da auch keine Playlists unterstützt werden, sind sortierte Ordner die einzige Alternative dazu, da stört dieses Handling dann.

Wiedergabe der Musik vom Handy geht, jedoch ist das Bluetooth-Protokoll scheinbar nicht ganz korrekt implementiert. Wenn der Mediaplayer am Handy nicht bereits offen ist, wird der nicht vom Auto gestartet. Im BMW vorher ging das recht gut. Sobald ich im Auto auf Bluetooth geschaltet habe, ging am iPhone das zuletzt geöffnete Medium wieder auf, sei es nun der interne Musikplayer oder ein Podcast. Im Tesla muss ich immer am Handy den Player erst öffnen.

Stichwort Podcast: Streaming ist so eine Geschichte….der Tesla unterstützt TuneIn (Webradio), Spotify und seit kurzem Tidal. Über das LTE-Modem des Autos geht das leider nur, wenn man bei Tesla für 10€/Monat die Premium Konnektivität abonniert. Das Auto hat WLAN, darüber klappen auch die Streaming-Dienste, über Handy-Hotspot aber eigentlich kein Problem. Eigentlich, denn: das Auto deaktiviert WLAN, sobald man in Drive wechselt. Das muss dann umständlich übers Menü wieder aktiviert werden…und zwar bei jeder Fahrt aufs Neue. Somit fährt man dann tatsächlich besser, wenn man die entsprechende App auf dem Handy öffnet und per Bluetooth abspielt. Damit geht aber dann die Auswahl der Inhalte nicht übers Auto. Unschöne Lösung, aber betrifft mich zumindest derzeit nur bedingt, da ich persönlich nur Apple Music verwende, was sowieso nur übers Handy geht, bis Tesla irgendwann eine App nachreicht.

Die gleiche Verbindungseinschränkung gilt auch für die integrierten Youtube, Twitch und Netflix Apps. Das sind aber Fullscreen-Anwendungen, die ohnehin nur geparkt funktionieren, entsprechend ist das WLAN-Problem nicht auf die gleiche Art vorhanden.

Weitere Kritikpunkte habe ich bei einigen der automatischen Helferlein. Der automatische Scheibenwischer reagiert sehr spät auf Wasser/Schmutz und wenn, dann legt er meist gleich Vollgas los und wischt recht oft trocken.

Ähnliches gilt für die Fernlicht-Automatik. Bei freier Straße braucht er recht lange, bis er überhaupt aufblendet und bei Gegenverkehr ist er eine einzige Blendmaschine, reagiert VIEL zu spät und teilweise auch überhaupt nicht. Das ist extra Schade, da die verbauten Scheinwerfer sogar Matrix-LED sind und dazu mit entsprechender Software entsprechend in der Lage wären. Da die Funktion generell nun auch in den USA erlaubt ist, wird die sicher auch im Tesla irgendwann nachgereicht. Wenn dann aber die gleiche Steuersoftware dafür verantwortlich ist, wie jetzt, wird das Geblende nur noch schlimmer.

Mit dem neuesten Software-Update wird nun auch, beim Blinken, die Seitenkamera der jeweiligen Seite automatisch eingeblendet. In Ermangelung eines klassischen Totwinkel-Warner-Geblinke im Spiegel, ist das keine schlechte Idee. Jedoch ist die Position der Einblendung im Display suboptimal. Wer mit beiden Händen am Lenkrad fährt, verdeckt das Bild mit der rechten Hand komplett. Auch wird relativ weit unten eingeblendet. Ich halt den Spiegel weiterhin für die bessere Idee.

Fahrassistenz

Der oft und gerne hochgelobte Autopilot. Nun ja. Hier sei gesagt, ich habe nur den Basic Autopilot, dazu aber später mehr. Also: adaptiver Tempomat und Spurhalteassistent. Klingt schon viel normaler als „Autopilot“, nech?

Der Tempomat funktioniert grundsätzlich echt gut. Durch den E-Motor entfällt die Schalterei, daher ist der Tempomat von 0-150 km/h sehr smooth und äußerst angenehm, nutzt auch wenn möglich nur die Rekuperation, die Bremse nur wenn nötig. Ein- und Ausschalten geht geräuschlos mit einem kurzen Tippen am Lenkstockhebel. Einziges Problem: die Schildererkennung ist ziemlicher Bimms. Wenn er Tempolimits überhaupt erkennt (bei den elektronischen auf der BAB kann man das direkt ganz vergessen) dann wendet er die tatsächlich erst ab Schild an. Wenn man also nicht händisch korrigiert, fährt der einen auch gerne mal mit 100 km/h in eine Ortschaft. Das können andere um ein Vielfaches besser.

Der Spurhalteassistent…ist echt ein nerviges Ding. Grundsätzlich gilt: er macht seine eigentliche Arbeit recht gut. Er hält die Spur stabil und den Abstand zum Vordermann auch. Erkennt auch die Spur immer sehr gut, selbst Gelb markierte Baustellenspuren. Für die Autobahn eigentlich klasse….eigentlich. Denn: Spurwechsel kann er einfach nicht. Und da rede ich nicht von automatischen Spurwechseln, er verträgt die einfach nicht. Wenn ich bei den Assistenten anderer Hersteller den Blinker setze, geht die Spurhaltung auf Pause und in der neuen Spur geht die einfach weiter. So kann man auf der Autobahn auch mal an ein paar LKW vorbei, ohne die Assistenten komplett killen zu müssen. Im Tesla muss ich den Autopiloten entweder manuell deaktivieren (was dann auch den Tempomaten gleich mit deaktiviert) oder den Widerstand am Lenkrad überwinden, um ihn automatisch zu deaktivieren. Dann bleibt zwar der Tempomat zumindest aktiv, es führt aber zu einer sehr ruckartigen Lenkbewegung. Mit Passagieren im Auto sehr unangenehm.

Dazu kommt dann leider noch, dass jedes Aktivieren und Deaktivieren akustisch signalisiert wird. Einschalten gibt ein *ding*, Abschalten (manuell oder automatisch) gibt ein *ding dong*. Die Signale sind nicht abschaltbar. Wenn ich also auf der Autobahn an einem LKW vorbei möchte und danach auch per Autopilot weiter möchte, ist das Auto mehrfach am runklingeln. Einmal beim Abschalten, dann beim wieder Anschalten….und das bei jedem Spurwechsel. Wer sich also auf einer relativ leeren Autobahn ans Rechtsfahrgebot hält und nur die typischen LKW-Kolonnen überholt, wird in einer Tour vom Auto angeklingelt. Somit verkommt eine Funktion, die für lange Autobahnfahrten eigentlich sehr entlastend sein könnte und sollte, zur absoluten Nerv******e.

Ich hab ein paar hundert Kilometer Autobahn hinter mir und nutz den Autopilot jetzt eigentlich nur noch Nachts und Sonntags, auf leeren Abschnitten. Mit 110-120 km/h mit anderen PKW mitschwimmen stört mich nicht, aber mit 80-90 hinter LKW rumzuckeln, tu ich mir nicht an. Leider ist der Autopilot nur dafür geeignet.

Da man das erweiterte Autopilot-Paket über die App nachträglich erwerben und dann 48 Stunden „zurückgeben“ kann, hab ich mir mal angeschaut, ob es dadurch besser wird. Kurz: das beschriebene Problem bleibt bestehen. Man hat dann lediglich den „Workaround“ des automatischen Spurwechsels. Blinken, Lenkrad leicht in die entsprechende Richtung und das Auto wechselt selbst die Spur. Leider ist das Ganze so UNFASSBAR langsam, dass es im Grunde nutzlos ist. Auf einer leeren Autobahn mag das fluppen, aber bei normalen deutschen Verkehrsverhältnissen, tut sich so gut wie nie eine Lücke auf, die dem Autopiloten groß genug ist. Ich weiß nicht, ob hier irgendwelche EU/DE-Richtlinien das System so einbremsen und es in den USA besser klappt, aber hierzulande ist’s das Geld nicht wert.

Gleiches gilt übrigens auch für das automatische Parken. In der Zeit, die sich das Auto lässt, hab ich viermal ein- und ausgeparkt. Die 3.800€ Aufpreis kann man sich getrost sparen.

Zwischenfazit zum Auto

Schönes, minimalistisches Design, gute Verarbeitung innen und außen, viel Stauraum, Ladeleistung bei entsprechender Vorbereitung sehr gut, Fahrleistungen sportlich und ausreichend, Reichweite wie beworben, gut durchdachte Menüs und Bedienung. Multimedia-Fähigkeiten umfangreich, mit leichten Schwächen.
Schwächen gibt’s bei den Fahr-Automatismen, zum Teil deutliche Schwächen. Der Autopilot ist nur nervig, wobei ich da eher ein Konzeptproblem als einen Fehler sehe. Wisch- und Fernlichtautomatik brauchen dringend Nachbesserung.
Alles in allem aber, sind alle gefundenen Probleme reiner Software-Natur und damit zumindest theoretisch lösbar. Direkte Hardware-Probleme habe ich soweit keine gefunden, entsprechend habe ich da Hoffnung, dass zumindest einige der Punkte irgendwann angepackt werden.

Wer noch spezifische Fragen hat, kann die gerne stelle, kann auch gerne spezielle Sachen testen.
Das Motto der Minensucher: Wer suchet, der findet. Wer drauftritt verschwindet.

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