be quiet! Power Zone 2 im Test - Erstes Semi-passiv Netzteil von be quiet!
be quiet! erstmals mit semipassivem Lüfter
Neben den bekannten Netzteilserien Dark Power, Straight Power und Pure
Power, die zuletzt alle auf ATX 3/ATX 3.1 aktualisiert wurden, gibt es bei
be quiet! noch eine weitere Netzteilserie, die im Jahr 2013, man könnte
sagen, als Experiment gestartet wurde. Das be quiet! Power Zone war damals
das erste und lange Zeit auch einzige be quiet! Netzteil, das auf Single-Rail-Betrieb
gesetzt hat. Auch optisch und in der Namensgebung unterschied sich das
Modell von den bekannten anderen Serien.
Das Power-Zone blieb dann für sehr lange Zeit das einzige Netzteil in der
Serie und bekommt nun mit dem Power-Zone 2, satte 12 Jahre später, eine
Neuauflage, die eine echte Überraschung mit sich bringt.
Das Power Zone 2 ist das erste Netzteil von be quiet!, das mit einer
semi-passiven Lüftersteuerung daherkommt und damit durchaus einen Wechsel in
der Philosophie bei be quiet! darstellt.

Mit dem Power-Zone 2, das in den Wattklassen 750, 850 und 1000 Watt
angeboten wird, stellt be quiet! neben dem Straight Power also ein weiteres
Netzteil in der 80-Plus-Platinum-Klasse auf. Preislich siedelt sich das
Netzteil so zwischen Pure Power und Straight Power an. Die Preisempfehlungen
liegen bei 189 Euro für das 1000-Watt-Modell, 169 Euro für die
850-Watt-Variante und 149 Euro für das kleinste 750-Watt-Modell. Die
Straßenpreise werden wie üblich vermutlich eher mit der Zeit darunterliegen.

Alle Modelle besitzen die exakt gleiche Größe mit einer Länge von 150 mm
und sind damit einen Tick größer als die kleinsten 140-mm-Netzteile. Dafür
kommt in der Power Zone 2 aber nun auch ein 140-mm-Pure-Wings-3-Lüfter zum
Einsatz.
Die Netzteile sind allesamt vollständig modular und mit Flachbandkabeln
ausgestattet. Beim für die neuen ATX-3.1-Netzteile obligatorischen
12-V-2x6-Anschlusskabel bietet be quiet! einen 90-Grad-abgewinkelten Stecker
an, der die Stabilität erhöht. Ob das eine so gute Idee ist, wird sich
allerdings zeigen, wenn Hersteller die Buchsen auf den Grafikkarten wieder
nach belieben in beide Richtungen oder versenkt montieren. Eventuell wird
das Kabel auf manche Karten nicht passen. Es muss dann mit dem Winkel am
Netzteil verbaut werden, also umgedreht, was wieder zu dem Problem führt,
dass das Kabel extrem gebogen werden muss oder das Netzteil nur noch mit dem
Lüfter nach unten ins Gehäuse passt.
Auch das Power-Zone-2 ist wieder ein Single-Rail-Netzteil. Der Trend geht
mit dem neuen ATX-3-Standard sowieso in die Richtung und dürfte sich
zunehmend bei allen be quiet!-Serien zeigen.
Auf der technischen Seite setzen die Modelle auf die in der
Platinum-Klasse übliche LLC-Topologie und DC-to-DC-Wandlung. Bei den
Kondensatoren findet man zwar 105-Grad-Modelle, allerdings stammen diese
nicht wie bei der Straight-Power-Serie von bekannten japanischen
Tier-1-Herstellern, sondern man setzt hier auf die kostengünstigeren
Hersteller aus China. Das Power Zone 2 ist mit einer Garantiezeit von 10
Jahren ausgestattet und sollte damit in Sachen Haltbarkeit der anderen Serie
nicht nachstehen. Dazu kommt noch der umfangreiche Service und Support, den
be quiet! direkt aus Deutschland anbietet.

Semi-passive Lüftersteuerung - richtig gemacht!
Wer be quiet! kennt, der weiß, dass man dort bislang kein großer Freund
von semi-passiven Kühlungen war und man immer den Ansatz verfolgt hat,
Netzteile mit einer besonders leisen und langsam drehenden aktiven Kühlung
zu bauen. Tatsächlich ist be quiet! in diesem Bereich auch einer der
führenden Hersteller.
Tatsächlich gab und gibt es auch immer noch Argumente für eine komplett
aktive Steuerung. So werden durch die dauerhafte Kühlung Bauteile geschont.
Durch die fehlende Lüftung können einzelne heiße Bauteile schneller
überhitzen, wenn der Lüfter nicht rechtzeitig startet.
Wesentlich wichtiger ist allerdings, dass semi-passive
Lüftersteuerungen auch Jahre nach den ersten Modellen so ihre Probleme
haben. Einige der größten Kritikpunkte sind die Geräuschbelästigung durch
ständige Starts und Stopps der Lüfter. Diese tritt vor allem bei günstigeren
analogen Steuerungen auf.
Dadurch verringert sich die Haltbarkeit der Lager. Manch ein Hersteller
setzt auch gleich auf den Einsatz von schlechten Lüftern, weil diese sowieso
die meiste Zeit stillstehen. Besonders nervig bei vielen semi-passiven
Netzteilen sind aber die hohen Anlaufdrehzahlen, die dafür sorgen sollen,
dass der Lüfter auch sicher anläuft und nach Jahren nicht mal hängen bleibt,
wenn die Lager abgenutzt sind. Wenn das dann noch mit häufigen Start- und
Stopps zusammenfällt, ist das semi-passive Netzteil am Ende lauter, als
würde man den Lüfter gleich durchlaufen lassen.

Zur Ehrlichkeit gehört aber auch dazu, dass man mit einem aktiven Lüfter,
und mag er noch so gut sein, niemals an den niedrigen Lautstärkelevel eines
passiven Netzteils kommt, wenn man einmal von elektronischen Geräuschen
absieht, die übrigens auch vom Lüfter stammen können. Eine gut optimierte,
semi-passive Lüftersteuerung mit einem hochwertigen Lüfter wird also einer
aktiven Lösung am Ende immer überlegen sein. Und technisch gesehen wird es
zudem immer aufwendiger, die Drehzahl eines Lüfters weiter zu reduzieren, um
ihn leiser zu bekommen.
be quiet! hat sich beim Power Zone 2 all dieser Dinge angenommen und
versucht, die Nachteile der semi-passiven Steuerung zu eliminieren.
Inwieweit das gelungen ist, können wir in unserem Test natürlich genau
sehen.

Für den aktuellen Test haben wir uns alle Modelle der neuen Power Zone 2
Serie vorgenommen und
durchgetestet. Der Übersicht halber zeigen wir im Test die Diagramme und
Ergebnisse der 1000-Watt-Version.
Technische Daten, Spezifikationen, Kabel und Lieferumfang
| Spezifikationen Leistung |
| Modell |
750 Watt |
850 Watt |
1000 Watt |
| Leistung gesamt W |
750 |
850 |
1000 |
| Peak Leistung W |
= |
= |
= |
| 12V-Gesamt A/W |
62.5 750 |
70.8 849.6 |
83.3 999.6 |
| 12V-Rails |
1 |
1 |
1 |
| Leistung Multirail A |
- |
- |
- |
| Leistung 3.3/5V W gesamt |
120 |
120 |
120 |
| 3,3V A |
20 |
20 |
20 |
| 5V A |
20 |
20 |
20 |
| -12V A |
0.5 |
0.5 |
0.5 |
| 5 V SB A |
3 |
3 |
3 |


| Kabelkonfiguration |
| | | | 750 | 850 | 1000 |
| | Länge mm | Typ |
Kabel x Stecker |
| ATX 24-pin | 600 |
Flachband | 1x1 | 1x1 | 1x1 |
| EPS / ATX12V
8/4+4Pin | 700 |
Flachband | 2x1 | 2x1 | 2x1 |
PCIe 5.0
- 12VPWHR
Leistung | 600 | Flachband | 1x1
| 1x1
| 1x1
|
| 6+2-pin PCIe (doppel) | 650 | Flachband |
1x2
| 1x2
| 1x2
|
| 6+2-pin PCIe |
590 | Flachband | 1x1 | 1x1 |
1x1 |
| SATA | 550/150/150/150 | Flachband | 1x4 |
1x4 |
1x4 |
| SATA/Molex SSSM | 550/150/150/150 | Flachband |
|
1x4 |
1x4 |
| SATA/Molex SSM | 550/150/150 | Flachband | 1x3 |
|
|
| Floppy | | |
| | |
Für den Test des Netzteils nutzen wir die Lastverteilung, die nach der 80-Plus-Spezifikation für die verschiedenen Schienen vorgesehen
ist. Dabei handelt es sich um eine symmetrische Verteilung, die alle Schienen gleichmäßig nach ihrer maximalen Leistung beansprucht.
Das Diagramm unten zeigt die genutzten Lasten im Vergleich zur maximal möglichen Ampere-Leistung. Diese Verteilung entspricht im
Test 100% Last. 0 % Last bedeutet, dass das Netzteil mit jeweils 0 Ampere Einstellung am Load-Tester läuft und lediglich die Spannungen
der einzelnen Schienen ohne zusätzliche Last gemessen werden. Es ist also an alle Schienen nur ein Voltmeter in Betrieb und das Netzteil
läuft ansonsten im Leerlauf

Unser Test-Equipment
Gerade wenn es darum geht kleinste Unterschiede in der Effizienz zu bestimmen und so ein Netzteil qualitativ einordnen zu wollen,
ist extrem teures professionelles Messequipment unabdingbar. Bei günstigen Messgeräten sind die Messtoleranzen so hoch, dass eine korrekte
Einschätzung der Performance im Vergleich zu anderen Netzteilen kaum möglich ist. Gerade wo die Netzteile in den letzten Jahren immer enger
zusammenrücken.
Wir werden In Sachen Testequipment direkt vom deutschen Chroma Service Center unterstützt.
Chroma ist auf professionelles Testequipment zur Effizienzmessung spezialisiert und unterstützt uns mit Know-How in Sachen Messtechnik.
Die Messtechnik von Chroma gilt im Bereich der Netzteilproduktion und Qualitätskontrolle als Referenz.

Neben der Chroma Teststation verfügen wir über weitere präzise Messinstrumente wie Keysight 34461a 6,5 Digit-Voltmeter, drei 4-Kanal-Oszilloskope
mit 100 MHz, mit denen wir konstant alle Spannungen des Netzteils sowie die PG, PS_ON und AC-In Signale überwachen. Zu Kontrolle der Ripple-Noise-Werte
besitzen wir zudem eine Low-Voltage-Differential-Probe, wie sie in den ATX-Spezifikationen vorgeschlagen wird.
Das gesamte Testequipment ist unser Eigentum und wurde von uns selbst angeschafft. Es wird nicht von einem Netzteilhersteller bereitgestellt
und wurde auch nicht von Netzteilherstellern gesponsert. Wir sind diesbezüglich also völlig unabhängig.
Wer unsere Tests regelmäßig verfolgt, der weiß, dass wir zudem auch noch Zugriff auf die Teststation von Cooler Master in direkter
Nähe in Eindhoven haben und in Zweifelsfällen dort unsere Ergebnisse an einer zweiten Station aber in einem anderen Setup verifizieren können.
Wir sind nun also nun in der mehr als "luxuriösen" Lage gleich zwei Chroma-Teststationen in direkter Reichweite zu haben um unserer
Ergebnisse zu validieren.