ASRock ist unter Hardware-Freunden vor allem für seine Mainboards
bekannt, die sich schon seit vielen Jahren immer wieder unter dem Aspekt
Preis-Leistungsverhältnis hervortun. Im Laufe der Zeit ist aber auch das
Highend- und Overclocking-Segment von ASRock immer wieder durch tolle
Mainboards bereichert worden. Insbesondere fällt uns hier die bekannte
ASRock-Formula-Mainboardserie mit ihren schwarz-gelben Designs ein. In
unserer Redaktion haben viele der Mainboards im Archiv einen „Ehrenplatz“.
Aber nicht nur Mainboards sind im Programm bei ASRock zu finden, die kleinen
ASRock Deskmini-Barebones sind unter Freunden von Mini-PCs sehr beliebt.
Zuletzt hat sich der Hersteller auch auf Grafikkarten und Monitore gestürzt
und 2024 etwas überraschend ein komplettes neues Lineup von Netzteilen,
angefangen vom Einsteiger-Modell bis hin zum 1650-Watt-Highend-Boliden,
vorgestellt.
Seit einiger Zeit liegen bereits einige dieser Netzteile in der Redaktion
und werden von uns im Detail durchgetestet. Neben der
Phantom-Gaming-Serie haben wir uns auch das besonders interessante
Mittelklasse-Modell Steel Legend angeschaut, das in einer großen
Modellvielfalt von 650 bis 1200 Watt sowohl in schwarzer als auch in weißer
Farbgebung erhältlich ist.
Für unseren ersten ASRock-Netzteiltest haben wir uns zwei dieser Modelle
herausgesucht, die für Gamer besonders spannend sein dürften: das ASRock
Steel Legend SL1000G mit 1000 Watt in schwarz und das ASRock Steel Legend
SL1200GW mit 1200 Watt in weiß. Beide durften Bekanntschaft mit unserer
mittlerweile noch etwas weiter aufgerüsteten Chroma-Teststation machen.
Auf den folgenden Seiten gibt es die Testergebnisse beider Netzteile im
Detail zu sehen, wobei wir natürlich versuchen, diese auch für Einsteiger
verständlich darzustellen. Fragen zum Test nehmen wir jederzeit gerne in
unserem Netzteil-Forum
entgegen.
Die ASRock Steel Legend Netzteile
Beide Modelle sind in der Gold-Klasse angesiedelt und als
ATX-3.1-Netzteile mit dem neuen 12V-2x6-Anschluss ausgestattet. Das
1200-Watt-Modell besitzt sogar gleich zwei dieser Anschlüsse für besonders
stromhungrige Grafikkarten. Schauen wir uns also an, was die beiden
Netzteile so leisten und wo die Unterschiede zwischen den Modellen liegen.
Obwohl sich die Steel Legend-Serie eher in der Mittelklasse ansiedelt und
die Netzteile mit einem attraktiven Preis (etwa 150 Euro für 1000 Watt,
unter 200 Euro für 1200 Watt) daherkommen, überzeugen sie mit einer
hochwertigen Ausstattung.
So bringen die Netzteile neben einem vollmodularen Design mit Kabeln in
Gehäusefarbe ein schickes und hochwertiges Gehäuse mit sich. Features, die
man sonst eher in höherpreisigen Serien findet. Das Lüftergitter ist recht
fein gehalten und kann schon als Mesh-Design bezeichnet werden, was
ebenfalls für eine recht hochwertige Optik sorgt. Insbesondere in der weißen
Variante kommt das Design besonders gut zur Geltung. Die Gehäuse der
Netzteile sind 150 × 150 × 86 cm groß und damit relativ kompakt, aber nicht
im kleinsten ATX-Format, das verfügbar ist.
Abseits der Optik punktet die Ausstattung aber auch intern mit einem
135-mm-FDB-Lüfter und einer intelligenten, semi-passiven, digitalen
Lüftersteuerung. Diese kann bei Bedarf über einen Schalter am Netzteil auch
in einen aktiven Modus, bei dem der Lüfter immer läuft, abgeschaltet werden.
Auch die doppelfarbigen 12V-2×6-Anschlüsse sind ganz praktisch, um zu
sehen, ob die Stecker richtig eingesteckt sind. Beim 1200-Watt-Modell sind
beide Anschlüsse auf 600 Watt kodiert, wobei man hier beachten sollte, dass
die Leistung des Netzteils nicht ausreicht, um in jedem Fall zwei
PCIe-5-600-Watt-Karten zu befeuern, denn jede dieser Karten kann theoretisch
bis zu 1800 Watt Peak-Leistung einfordern, was die maximal 2400 Watt
Peak-Leistung des 1200-Watt-Netzteils bei weitem übersteigt. Das gilt
allerdings für quasi alle kleineren Netzteile mit zwei Anschlüssen. Der
Anwender muss sich hier selbst darum kümmern, dem Netzteil nicht zu viel
zuzumuten.
Damit im Notfall nichts schiefgeht, sind die Netzteile natürlich mit
einem Überlastschutz und den üblichen Schutzschaltungen OCP, SCP, OVP, UVP,
OTP und OPP AUSGESTATTET.
Dazu gibt es 100 % japanische 105-Grad-Kondensatoren (Nippon Chemi-con,
Rubycon) und eine 10-Jahres-Garantie.
Auf der technischen Seite handelt es sich bei den Modellen um Netzteile
mit der mittlerweile üblichen Half-Bridge-LLC-Topologie auf der Primärseite.
Sekundärseitig kommen hier ein Synchronous Rectifier (synchronisierter
Gleichrichter) und DCDC-Konverter zum Einsatz. Nahezu alle effizienten
modernen Netzteile nutzen diese Designs.
Technische Details, Spezifikationen, Kabel und Lieferumfang
Beide Modelle sind als Single-Rail-Netzteil konzipiert, was sich
mittlerweile bei ATX 3 als Standard durchgesetzt hat. Multirail-Netzteile
sind zu echten Exoten geworden. Die gesamte Leistung kann jeweils auf der
12-V-Schiene abgerufen werden, sprich in diesem Fall 83,4 oder sogar 100 A.
Die Leistung der Nebenspannungen liegt beim 1200-Watt-Modell mit
kombiniert 150 Watt etwas höher als die üblichen 120 Watt. Hier kann jede
der 3,3- und 5-V-Schienen dann mit 25 A anstelle von 20 A belastet werden.
Anzumerken sei hier, dass selbst die 120 Watt und 20 A schwer zu erreichen
sind. Dazu bedarf es schon einer beachtlichen Anzahl an angeschlossenen
Geräten wie etwa USB Power Delivery und anderen Features.
Spezifikationen Leistung
Modell
1000 Watt
1200 Watt
Leistung gesamt W
1200
1200
Peak Leistung W
=
=
12V-Gesamt A/W
83,4 1000
100 1200
12V-Rails
1
1
Leistung Multirail A
-
-
Leistung 3.3/5V W gesamt
120
150
3,3V A
20
25
5V A
20
25
-12V A
0,3
0,3
5 V SB A
3
3
Bei den Anschlüssen sehen wir eine reichhaltige Ausstattung. Beim 1200
Watt Modell bleibt kaum noch Platz für weitere Anschlüsse.
Kabelkonfiguration
1000
1200
Länge mm
Typ
Kabel x Stecker
ATX 24-pin
600
sleeve
1x1
1x1
EPS / ATX12V 4+4Pin
640
flach
2x1
2x1
PCIe 5.0 - 12VPWHR Leistung
640
flach
2x1 600W
2x1 600W
6+2-pin PCIe
650
flach
3x1
3x1
SATA #1
450/120/120/120
flach
2x4
2x4
SATA/Molex
450/120/110/110
flach
1x1/3
1x1/3
Floppy
0
0
Testverfahren Test-Equipment
Für den Test des Netzteils nutzen wir die Lastverteilung, die nach der 80-Plus-Spezifikation für die verschiedenen Schienen vorgesehen
ist. Dabei handelt es sich um eine symmetrische Verteilung, die alle Schienen gleichmäßig nach ihrer maximalen Leistung beansprucht.
Das Diagramm unten zeigt die genutzten Lasten im Vergleich zur maximal möglichen Ampere-Leistung. Diese Verteilung entspricht im
Test 100% Last. 0 % Last bedeutet, dass das Netzteil mit jeweils 0 Ampere Einstellung am Load-Tester läuft und lediglich die Spannungen
der einzelnen Schienen ohne zusätzliche Last gemessen werden. Es ist also an alle Schienen nur ein Voltmeter in Betrieb und das Netzteil
läuft ansonsten im Leerlauf. Für den gesamten Ablauf halten wir uns eng an das von 80 Plus vorgegebene messverfahren mit kleinen
Abweichungen, die wir aus praktischen Gründen vornehmen. z.B. werden bei uns die Spannungen nicht direkt am Stecker gemessen sondern auf
der "Platine", was die Spannungen in der Regel aufgrund des Übergangswiederstands etwas reduziert und damit die Effizienz
verschlechtert. Wir messen also im Gegensatz zu 80 Plus hier den "Worst Case".
Gerade wenn es darum geht kleinste Unterschiede in der Effizienz zu bestimmen und so ein Netzteil qualitativ einordnen zu wollen,
ist extrem teures professionelles Messequipment unabdingbar. Bei günstigen Messgeräten sind die Messtoleranzen so hoch, dass eine korrekte
Einschätzung der Performance im Vergleich zu anderen Netzteilen kaum möglich ist. Gerade wo die Netzteile in den letzten Jahren immer enger
zusammenrücken.
Wir werden In Sachen Testequipment direkt vom deutschen Chroma Service Center unterstützt.
Chroma ist auf professionelles Testequipment zur Effizienzmessung spezialisiert und unterstützt uns mit Know-How in Sachen Messtechnik.
Die Messtechnik von Chroma gilt im Bereich der Netzteilproduktion und Qualitätskontrolle als Referenz.
Unser Setup für die Netzteil-Tests ist von uns selbst zusammengestellt und besteht aus folgenden Komponenten:
Chroma 66202 Power Meter
Chroma High-Speed DC Loads bis 3600 Watt
10x Chroma 63303 a 300W
4x Chroma 63302 Dual Load a 2x100 W
1x Choma 63306 a 600W OPP/ OCP testing
4x Croma 63301 a 200 w in Reserve
Chroma AC Source 6420 2 KW
Chroma AC Source 61505 4 KW PLD-Simulation
Keysight 34460A 6,5 Digit Tisch-Multimeter zur Spannungskontrolle
4x Rigol DS1054Z Oszilloskop 4x4=16 channels
Fluke 80i-110s AC/DC-Stromzange (100 A) Inrush, Holdup etc.
weitere Messgeräte wie Low-Voltage-Differentialtasköpfe etc. sowie diverse Kleinteile, Anschlüsse, Adapter usw.
Das gesamte Testequipment ist unser Eigentum und wurde von uns selbst angeschafft. Es wird nicht von einem Netzteilhersteller bereitgestellt
und wurde auch nicht von Netzteilherstellern gesponsert. Wir sind diesbezüglich also völlig unabhängig.
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