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be quiet! Dark Power 14 im Test - Neuer Lüfter, neues Kühlkonzept

Alles Neu, alles besser?

Die Dark-Power-Netzteilserie ist wohl jedem Hardware-Enthusiasten ein Begriff. Das Netzteil von be quiet! gehört seit seinen Anfängen zum High-End-Segment und geht nun schon in die Generation 14. Nachdem das Dark Power 13 Anfang 2023 als erstes Netzteil bei uns den Sprung auf ATX 3 hingelegt hat, gibt es mit der neuen Version 14 wieder ein komplettes Redesign und ATX 3.1 inklusive dem neuen 12V-2x6-Anschluss.

Doch das ist lange nicht alles, beim Netzteil bleibt be quiet! Beim abschaltbaren Multirail-Betrieb, mittlerweile wirklich eine Seltenheit, soll Titanium mit Effizienz mit bis zu 95,57 % Wirkungsgrad glänzen und kommt für alle Silent-Enthusiasten erneut mit einem komplett neuen Kühl-/Lüfter-Konzept daher und arbeitet als erstes Dark Power überhaupt semi-passiv.

Das Dark Power 13 hatte bei einigen Modellen mit Brummgeräuschen bei niedrigen Drehzahlen zu kämpfen. Es gab viele Nutzer, die sich darüber beschwert haben, auf der anderen Seite aber auch solche Stimmen, die die Geräusche bei sich nicht reproduzieren konnten oder für nicht relevant hielten. be quiet! hat sich dem in jedem Fall angenommen und das gesamte Kühlsystem überarbeitet, inklusive neuem Lüfter, dessen Aufhängung, Lüftersteuerung und semi-passivem Modus. Eigentlich ist quasi bei der Kühlung nichts vom Dark Power 13 übrig geblieben. Wie sich das auswirkt, haben wir natürlich ausführlich getestet.  

Und dazu hat be quiet! uns auch gleich wieder alle drei verfügbaren Wattklassen des Netzteils in die Redaktion geschickt, so dass wir euch exklusiv gleich die Testresultate für 850, 1000 und 1200 Watt präsentieren können.

Die von uns durchgeführten Tests sind mit einem enormen Aufwand verbunden und zeigen uns oft, wie unzuverlässig, ja zum Teil sogar komplett falsch die immer mehr werdenden „Vergleichsübersichten“ im Internet sind. Ihr könnt uns und allen Hardware-Fans daher sehr damit helfen, die Informationen, Grafiken und Ergebnisse aus dem Test zu teilen oder weiterzuempfehlen! Fragen beantworten wir wie immer gerne in unserem Netzteil-Forum.

Redesign mit ATX 3.1 und 12V-2x6

Das Dark Power 14 macht den Sprung von ATX 3 auf ATX 3.1, was grob gesagt damit abgehakt ist, dass nicht mehr die alte, anfällige 12VHPWR-Buchse, sondern die neue, leicht modifizierte 12V-2x6-Buchse mit leicht nach hinten gesetzten Sense-Kontakten am Netzteil verbaut ist. Damit sollen Probleme mit schmorenden Verbindungen vermieden werden.

Optisch unterscheidet sich das Dark Power 14 nur geringfügig vom alten Modell, die großen Veränderungen sieht man nur, wenn man genauer hinschaut und in das Netzteil hineinschaut. So zeigt ein Blick durch das feine Mesh-Gitter zum Beispiel die Änderungen am Lüfter und dessen Aufhängung.

Die neuen Dark-Power-14-Netzteile fallen wieder in die Titanium-Klasse und sollen in der Spitze eine Effizienz von bis zu 95,57 % erreichen. Erreicht wird das durch eine moderne Implementierung der Active-Rectifier-+-Full-Bridge-LLC-+-SR-+-DC-DC-Topologie und dazu ein verlustarmes kabelloses Innendesign auf der DC-Seite. Die drei Modelle 850, 1000 und 1200 Watt nutzen alle das gleiche Layout und die gleiche Platine, es werden lediglich leistungsstärkere Komponenten verbaut.

Wie üblich werden japanische 105-Grad-Kondensatoren genutzt und davon nicht zu wenige. Kabel gibt es so gut wie keine, denn alle Unterplatinen sind direkt in die Hauptplatine eingesteckt. Die vielen an der Modularplatine verbauten Kondensatoren lassen auf gute Ripple-Werte hoffen.

Besonders auffällig im Inneren sind die auf den ersten Blick komisch wirkenden Kühlkörper, auf denen oben auch noch Wärmeleitpads kleben. Was es damit auf sich hat, wird klar, wenn man sich den neuen Lüfter im Dark Power 14 anschaut.

Komplett neues innovatives Lüfterdesign

Der Lüfter im Dark Power 13 musste von einigen Seiten, insbesondere von Silent-Enthusiasten, ordentlich Kritik einstecken und hat be quiet! wohl dazu bewogen, das ganze Konzept neu zu denken und komplett zu überarbeiten. Dabei sind zwei wesentliche Änderungen zu verzeichnen.

Zum Ersten wäre da die Aufhängung. Beim alten Dark Power war der Lüfter nicht mehr in einem Rahmen befestigt, sondern stand sozusagen auf Stelzen im Gehäuse. Das hatte den Vorteil, dass man unter dem Lüfter keine Querstreben mehr braucht. Es hatte aber auch den Nachteil, dass Vibrationen sich vom Lüftermotor leicht auf das ganze Gehäuse übertragen haben. In Kombination mit der sehr niedrigen Drehzahl des Lüfters konnten dann wohl einige Nutzer das bekannte Brummen aus dem Netzteil wahrnehmen. So ist zumindest unsere Vermutung.

Der rahmenlose Lüfter ist nun wieder Geschichte und be quiet! verbaut im Dark Power 14 eine spezielle Version des Silent Wings mit 6-Pol-Motor und FDB-Lager, der sich auf einem extra für das Netzteil entwickelten Rahmen befindet. Dieser Rahmen ist fest mit dem Gehäuse des Netzteils verschraubt. Wobei sich zwischen Rahmen und Netzteil an den Auflagepunkten noch Dämpfungsgummis befinden.

Schaut man sich die Gummis an, so wird der zweite interessante Punkt sichtbar. Der gesamte Rahmen ist aus Metall gefertigt, was ihn natürlich ziemlich verwindungssteif macht. Zudem besteht er aus Lamellen und hat die Form eines Kühlers. Genau hier kommen dann auch die Wärmeleitpads zum Einsatz, denn diese verbinden den Rahmen des Lüfters mit den Kühlkörpern im Netzteil. be quiet! nutzt den Rahmen damit als Vergrößerung der internen Kühlkörper des Netzteils. Damit erreicht man dann geringere Temperaturen und kann das Netzteil so mit niedrigeren Drehzahlen fahren. So zumindest die Theorie. Wie die Performance des Lüfters in der Praxis ausschaut, wird sich dann bei uns im weiteren Verlauf des Tests zeigen.

Zu den ganzen Neuerungen im technischen Design gesellt sich dann auch noch die semi-passive Lüftersteuerung, die schon beim Power Zone 2 und dem Pure Power 13 überzeugte. Damit hat man dann alle Optionen, um einen wirklich leisen Betrieb hinzubekommen, parat.

Der Semi-Passiv-Betrieb lässt sich über einen Schalter hinten am Netzteil ein- und ausschalten. Direkt daneben findet sich auch wieder der vom Dark Power bekannte OCK, also die Abschaltung der OCP-Grenzen für den Multirail-Betrieb. Das Netzteil wechselt damit vom Multirail-Betrieb mit vier 12-V-Rails in den Single-Rail-Modus.

Die üblichen Schutzschaltungen sind, wie bei allen be quiet! Netzteilen, mit an Bord. Das heißt Überlastschutz, Überspannungsschutz, Kurzschlussschutz, Unterspannungsschutz, Überstromschutz und auch ein Überhitzungsschutz.

Be quiet! setzt beim Dark Power 14 wieder auf 10-jährige Herstellergarantie, setzt auf Produktentwicklung, Design und Qualitätskontrolle in Deutschland und bietet dazu auch den bekannten deutschsprachigen Support direkt aus dem deutschen Firmensitz.

Technische Details mit Spanungschaos, Lieferumfang

Bei den technischen Daten der neuen Dark Power 14 sind wir auf ein wenig Chaos gestoßen, denn schaut man auf die Labels der Netzteile, so werden das 1000- und das 1200-Watt-Modell in der EU als „230-V-Netzteil“ mit 200–240 V Eingangsspannungen aufgeführt. Nur außerhalb der EU, also 100–240 V. Für das 850-Watt-Modell gilt das nicht, dieses wird mit 100–240 V, also Multirange, angegeben. Die gleichen Daten finden sich auch in den technischen Unterlagen. Soweit so gut, schaut man jedoch auf die Stromeingangsbuchse der Netzteile, so findet sich dort ein Aufkleber mit 100–240 VAC. Auch die Effizienz-Zertifikate sind für 115 V ausgestellt. Ob die Angaben ein Druckfehler sind oder später noch „230-V-Netzteile“ erscheinen konnten, konnten wir bisher leider nicht in Erfahrung bringen, wäre aber relevant, weil eine solche Änderung Einfluss auf die Performance des Netzteils hat.

In den Leistungsdaten hat sich wenig geändert zum Vorgänger. Es handelt sich hier weiterhin um Multirail-Netzteile mit vier 12-V-Rails, wobei die Rails 3 und 4 jeweils etwas stärker dimensioniert sind als die ersten beiden. Die Beschriftung der Rails ist bei den neuen Modellen vorbildlich! Nicht nur sind diese genau im Handbuch beschrieben, auch am Netzteil selbst befindet sich an jedem Anschluss ein Aufdruck, zu welcher Rail der entsprechende Stecker gehört. So wird zum Beispiel der 12-V-2x6-Anschluss über beide Rails 3 und 4 betrieben, was die Leistung bei Peaks deutlich steigert.

Die Nebenspannungen der verschiedenen Watt-Klassen unterscheiden sich minimal, was aber in der Praxis völlig unbedeutend ist.

Bei den Anschlüssen und Kabeln bieten alle Modelle fast die gleiche Kost. Der einzige Unterschied liegt darin, dass beim 1200-Watt-Modell gleich zwei 12-V-2x6-Anschlüsse vorhanden sind. Bei den SATA-Anschlüssen gibt es reichlich, Molex sind nur noch zwei vorhanden.

Technische Spezifikationen  
Modell 850 1000 1200
Leistung gesamt W 850 1000 1200
Peak Leistung 950 1100 1300
Leistung 3.3/5V gesamt W 120 120 120
12V-Gesamt A/W 70
840
83
996
100
1200
12V-Rails 4 4 4
Leistung Rails A 30/30/35/35 33/33/40/40 33/33/45/45
3,3V A 24 25 25
5V A 24 24 24
-12V A 0.5 0.5 0.5
5 V SB A 3 3 3


Kabelkonfiguration
      850 1000 1200
  Länge mm Typ Kabel x Stecker
ATX 24-pin 600 rund/sleeved 1x1 1x1 1x1
EPS / ATX12V 8 Pin 700 rund/sleeved 1x1 1x1 1x1
EPS / ATX12V 4+4Pin 700 rund/sleeved 1x1 1x1 1x1
PCIe 5.0
(12V-2x6)
600 rund/sleeved 1x1 1x1 2x1
6+2-pin PCIe 600 rund/sleeved
Doppelstrang
2x2 2x2 2x2
SATA #1 600/150/150/150 rund/sleeved 2x4 2x4 2x4
SATA #2 600/150/150/150 rund/sleeved 1x3 1x3 1x3
SATA/Molex 600/150/150/150 rund/sleeved 1x2/2 1x2/2 1x2/2
Floppy     0 0 0
           

Lastverteilung im Test

Für den Test des Netzteils nutzen wir die Lastverteilung, die nach der 80-Plus-Spezifikation für die verschiedenen Schienen vorgesehen ist. Dabei handelt es sich um eine symmetrische Verteilung, die alle Schienen gleichmäßig nach ihrer maximalen Leistung beansprucht.

Das Diagramm unten zeigt die genutzten Lasten im Vergleich zur maximal möglichen Ampere-Leistung. Diese Verteilung entspricht im Test 100% Last. 0 % Last bedeutet, dass das Netzteil mit jeweils 0 Ampere Einstellung am Load-Tester läuft und lediglich die Spannungen der einzelnen Schienen ohne zusätzliche Last gemessen werden. Es ist also an alle Schienen nur ein Voltmeter in Betrieb und das Netzteil läuft ansonsten im Leerlauf.

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Lastverteilung für die verschiedenen Modelle im Test

Unser Test-Equipment

Der Einsatz unserer eigenen Chroma-Teststation - die uns selbst gehört und nicht von einem Netzteilhersteller bereitgestellt wurde - ermöglich uns deutlich mehr Messungen vorzunehmen, als dies außer Haus aufgrund von Terminabsprachen und Zeiteinteilung mit Hersteller-Equipment möglich ist. Das professionelle Equipment ermöglicht uns die Performance von Netzteilen sehr exakt einzuschätzen. Gerade wo die Netzteile in den letzten Jahren immer enger zusammenrücken ist dies für einen Vergleich und das herausarbeiten kleiner Unterschiede  unabdingbar.

Unser Messsystem besteht insgesamt aus folgenden Komponenten:

  • Chroma 66202 Power Meter
  • Chroma High-Speed DC Loads bis 3600 Watt für 12V
    10x Chroma 63303 a 300W
    1x Choma 63306 a 600W - OPP/ OCP testing
  • 4x Chroma  63302 Dual Load a 2x100 W für 3,3,5,-12,5V
  • Chroma AC Source 61505 mit 4 kVA und integrierter PLD-Simulation
  • Chroma AC Source 6420 2 KW
  • Keysight 34460A 6,5 Digit Tisch-Multimeter für genaue Spannungskontrolle
  • 4x Rigol DS1054Z Osziliskop für simultane Überwachung von 16 Kanälen
  • Fluke 80i-110s AC/DC-Stromzange (100 A) für Messungen Inrush, Holdup etc.  
  • Diverse weitere Stromzangen, Differential Tastköpfe etc.

Wir werden In Sachen Testequipment direkt vom deutschen Chroma Service Center unterstützt. Chroma ist auf professionelles Testequipment zur Effizienzmessung spezialisiert und unterstützt uns mit Know-How in Sachen Messtechnik. Die Messtechnik von Chroma gilt im Bereich der Netzteilproduktion und Qualitätskontrolle als Referenz.

Das gesamte Testequipment ist unser Eigentum und wurde von uns selbst angeschafft. Es wird nicht von einem Netzteilhersteller bereitgestellt und wurde auch nicht von Netzteilherstellern gesponsert. Wir sind diesbezüglich also völlig unabhängig.

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