be quiet! Pure Power 13M im Test - Jetzt mit Semi-passiv Lüfter
Pure Power 13M - Die neue Ära geht weiter
Bei be quiet! tut sich gerade viel! Nachdem man in das Geschäft mit
Tastaturen eingestiegen ist (siehe unseren Test der neuen
be quiet! Light Mount) und uns mit der Neuauflage der
be quiet! Power Zone 2 Netzteil-Serie überrascht hat, dem ersten be
quiet! Netzteil mit semi-passiver Lüftersteuerung, geht es nun schon mit
einem absoluten Zugpferd unter den be quiet! Produkten weiter.
Be quiet! bringt die neue semipassive Lüftersteuerung nun auch in die
Pure-Power-Serie und damit in das Netzteil, welches seit Jahren die
deutschen Verkaufscharts dominiert, zuletzt aber nachvollziehbar Konkurrenz vom
Power Zone 2 bekommen hat!
Das Pure Power hat in den letzten Generationen gewaltige Änderungen
durchgemacht und sich gerade mit dem Pure Power FM enorme Verbesserungen
einverleibt, die zum Teil dazu führten, dass der Abstand zum Straight Power
immer geringer wurde. Nun geht es mit dem Pure Power 13M in die nächste
Generation und wieder bekommt das Zugpferd von be quiet! eine Reihe von
Änderungen verpasst.

Fangen wir zunächst einmal mit den verschiedenen Modellvariationen an, es
sind fünf an der Zahl. Be quiet! lässt es sich im Gegensatz zu vielen
anderen Herstellern nicht nehmen, auch das neue Pure Power wieder in kleinen
Wattklassen anzubieten. Während viele Hersteller ihre Netzteile nur noch ab
750 Watt oder sogar mehr anbieten, zaubert be quiet! beim Pure Power 13M
auch wieder eine 550- und 650-Watt-Version aus dem Hut. Dazu gesellen sich
dann die derzeit weit verbreiteten Wattklassen 750, 850 und 1000 Watt, die
wir auch beim Power-Zone 2 gesehen haben.
Gold oder doch eher Platinum?
Während das Power Zone 2 aber in der Platinum Klasse angesiedelt ist,
ziert das Pure Power 13M nur ein 80 Plus Gold Logo, was uns zu einer
Kuriosität führt, denn schaut man bei 80 Plus direkt vorbei, so wird das
Netzteil als
80 Plus Platinum ausgezeichnet. Be quiet! hat das Netzteil also selbst
heruntergestuft. Ein solches Vorgehen haben wir zuletzt auch schon bei
anderen Herstellern gesehen, und es zeigt uns recht deutlich, dass alle
Effizienz-Siegel in ihrer aktuellen Form ziemlich sinnlos geworden sind.
Preislich geht es im Vergleich zum Vorgänger minimal nach oben, der
Einstieg mit 550 Watt startet bei etwa 95 Euro, dann geht es in
10-Euro-Schritten nach oben für das 650- und 750-Watt-Modell. Bei 850 und
1000 Watt werden 140 bzw. 170 Euro in der UVP fällig. Die Straßenpreise
werden wie üblich vermutlich etwas tiefer liegen. Im Zug der allgemeinen
Preissteigerungen lässt sich das allerdings auch kaum vorhersehen.

Modellvielfalt mit 12v-2x6 und Kabeldifferenzen
Alle Modelle besitzen die exakt gleichen Maße von 160x150x86 mm, da sie
auch alle das gleiche Gehäuse benutzen. Sogar die Anschlussbuchsen sind zum
Teil gleich ausgeführt.
Wie beim Power Zone 2 auch sind die Netzteile vollständig modular und mit
Flachbandkabeln ausgestattet. Der abgewinkelte 12V-2x6-Anschlussstecker den
man dort vorgefunden hat, ist beim Pure Power 13M allerdings wieder
verschwunden. Hier gibt es das übliche 12V-2x6-Kabel mit gerade Steckern.
Bei den Versionen ist die Leistung des Kabels allerdings auf 300 Watt
respektive 450 Watt beschränkt, da sonst die Peak-Leistung des Anschluss
über der des Netzteils liegen würde. Immerhin darf man nicht vergessen, dass
ein 600-Watt-Anschluss Peak-Loads bis hin zu 1800 Watt abfangen muss. Zu
viel für ein kleines 650-Watt-Netzteil.
Gut beim neuen Pure Power 13M ist, dass selbst die kleinen Modelle mit
550 und 650 Watt neben dem 12V-2x6-Kabel dann auch noch zwei klassische
6+2-Pol-PCIe-Kabel bieten. Allerdings gibt es diesen „Bonus" nur für Nvidia-Nutzer.
Wer seine AMD-Karte mit zwei Kabeln anschließt, hat dann leider keinen PCIe-Stecker
für RGB-Lüfter-Controller oder Vergleichbares mehr frei.
Natürlich haben die kleinen Netzteile der Serie unter Umständen nicht die
nötige Wattzahl, um all diese Kabel mit der maximalen Leistung zu versorgen,
das ist in vielen Anwendungsfällen aber eben auch gar nicht nötig, und es
ist Aufgabe des Anwenders, darauf zu achten, das Netzteil dann nicht zu
überlasten.
Auch die Pure Power 13M sind wieder Single-Rail-Netzteile, Multirail wird
man mit ATX3-Netzteilen, wenn überhaupt, dann nur noch bei sehr hochwattigen
Modellen oder Highend-Netzteilen mit digitaler Steuerung der OCP sehen.

Technisch setzen die Netzteile auch wieder auf die derzeit ab der
Gold-Klasse übliche LLC-Topologie und DC-to-DC-Wandlung. Bei den
Kondensatoren muss man allerdings mit kleinen Abstrichen leben. Im Netzteil
findet man bei den großen Primärkondensatoren zum Beispiel
85-Grad-Grad-Modelle von Elite. Damit zeigt sich auch ein Unterschied zu den
höherwertigen be quiet! Modellen, die auf 105-Grad-Kondensatoren und zum
Teil japanische Markenkondensatoren setzen.
Das Pure Power 13M kommt aber dennoch mit einer Garantiezeit von 10
Jahren daher und bietet zudem den von be quiet! bekannten in Deutschland
ansässigen Kundenservice. Man darf also durchaus die Frage stellen,
inwieweit dann die Spezifikationen der Kondensatoren ins Gewicht fallen. Be
quiet! scheint den Modellen jedenfalls viel zuzutrauen.
Einen Punkt, den gerade Einsteiger in den PC-Selbstbau nicht
unterschätzen sollten. Produktkonzeption, Design und Qualitätskontrolle
finden bei be quiet! in Deutschland statt. Gerade der letzte Punkt darf
dabei nicht unterschätzt werden, denn viele Anbieter von Netzteilen labeln
die Produkte nur und haben überhaupt keine eigene Qualitätskontrolle.
Gut optimierte semipassive Lüftersteuerung
Bereits beim Power Zone 2 konnte be quiet! mit der neuen semipassiven
Lüftersteuerung überzeugen. Für unsere Tests haben wir uns eine Reihe von
Szenarien einfallen lassen um die Lüftersteuerung aktueller Netzteile aus
dem Tritt zu bringen, die be quiet! allesamt problemlos gemeistert hat.
Den bisherigen Ansatz, Netzteile mit einer besonders leisen und langsam
drehenden aktiven Kühlung zu bauen, hat man bei be quiet! nun offenbar zu
den Akten gelegt. Um so wichtiger ist es dann aber auch, dass die
Lüftersteuerung fehlerfrei arbeitet. Geräuschbelästigung durch ständige
Starts und Stopps der Lüfter muss hierbei vermieden werden. Das ist auch für
die Haltbarkeit der Lüfter hilfreich. Besonders nervig bei vielen
semipassiven Netzteilen sind auch die hohen Anlaufdrehzahlen, die dafür
sorgen sollen, dass der Lüfter nach Jahren Betrieb und Staub nicht mal
hängen bleibt. Be quiet! hat auch beim Pure Power 13M all diese Punkte in
die Entwicklung einbezogen.

Für den ersten Teil unserer Tests des Pure Power 13M haben wir uns die
drei großen Modelle mit 750, 850 und 1000 Watt angenommen. Diese besitzen
nämlich allesamt den gleichen Kabelsatz, die beiden kleinen Modelle werden
wir uns aufgrund der anderen Konfiguration in einem separaten Teil 2
vornehmen.

Technische Daten, Spezifikationen, Kabel und Lieferumfang
| Spezifikationen Leistung |
| Modell W |
750 |
850 |
1000 |
| Leistung gesamt W |
750 |
850 |
1000 |
| Peak Leistung W |
= |
= |
= |
| 12V-Gesamt A/W |
62.5 750 |
70.9 850 |
83.4 1000 |
| 12V-Rails |
1 |
1 |
1 |
| Leistung 12V-2x6 |
600 |
600 |
600 |
| Leistung Multirail A |
- |
- |
- |
| Leistung 3.3/5V W gesamt |
120 |
120 |
120 |
| 3,3V A |
20 |
22 |
22 |
| 5V A |
20 |
22 |
22 |
| -12V A |
0.5 |
0.5 |
0.5 |
| 5 V SB A |
3 |
3 |
3 |

| Kabelkonfiguration |
| | | | 750 | 850 | 1000 |
| | Länge mm | Typ |
Kabel x Stecker |
| ATX 24-pin |
550 |
Flachband | 1x1 | 1x1 | 1x1 |
| EPS / ATX12V
8/4+4Pin | 650 |
Flachband | 2x1 | 2x1 | 2x1 |
PCIe 5.0
- 12VPWHR
Leistung | 600
| Flachband | 1x1 600W
| 1x1
600W
| 1x1 600W
|
| 6+2-pin PCIe (Doppel) | 600 | Flachband |
1x2
| 1x2
| 1x2
|
| 6+2-pin PCIe
(Reihe) |
600 | Flachband | 1x2 | 1x2 |
1x2 |
| SATA | 500/150/150/150 | Flachband | 1x4 |
1x4 |
1x4 |
| SATA/Molex (SSMM) | 500/150/150/150 | Flachband |
|
1x4 |
1x4 |
| Floppy | | |
| | |
Für den Test des Netzteils nutzen wir die Lastverteilung, die nach der 80-Plus-Spezifikation für die verschiedenen Schienen vorgesehen
ist. Dabei handelt es sich um eine symmetrische Verteilung, die alle Schienen gleichmäßig nach ihrer maximalen Leistung beansprucht.
Das Diagramm unten zeigt die genutzten Lasten im Vergleich zur maximal möglichen Ampere-Leistung. Diese Verteilung entspricht im
Test 100% Last. 0 % Last bedeutet, dass das Netzteil mit jeweils 0 Ampere Einstellung am Load-Tester läuft und lediglich die Spannungen
der einzelnen Schienen ohne zusätzliche Last gemessen werden. Es ist also an alle Schienen nur ein Voltmeter in Betrieb und das Netzteil
läuft ansonsten im Leerlauf



Unser Test-Equipment
Gerade wenn es darum geht kleinste Unterschiede in der Effizienz zu bestimmen und so ein Netzteil qualitativ einordnen zu wollen,
ist extrem teures professionelles Messequipment unabdingbar. Bei günstigen Messgeräten sind die Messtoleranzen so hoch, dass eine korrekte
Einschätzung der Performance im Vergleich zu anderen Netzteilen kaum möglich ist. Gerade wo die Netzteile in den letzten Jahren immer enger
zusammenrücken.
Wir werden In Sachen Testequipment direkt vom deutschen Chroma Service Center unterstützt.
Chroma ist auf professionelles Testequipment zur Effizienzmessung spezialisiert und unterstützt uns mit Know-How in Sachen Messtechnik.
Die Messtechnik von Chroma gilt im Bereich der Netzteilproduktion und Qualitätskontrolle als Referenz.

Neben der Chroma Teststation verfügen wir über weitere präzise Messinstrumente wie Keysight 34461a 6,5 Digit-Voltmeter, drei 4-Kanal-Oszilloskope
mit 100 MHz, mit denen wir konstant alle Spannungen des Netzteils sowie die PG, PS_ON und AC-In Signale überwachen. Zu Kontrolle der Ripple-Noise-Werte
besitzen wir zudem eine Low-Voltage-Differential-Probe, wie sie in den ATX-Spezifikationen vorgeschlagen wird.
Das gesamte Testequipment ist unser Eigentum und wurde von uns selbst angeschafft. Es wird nicht von einem Netzteilhersteller bereitgestellt
und wurde auch nicht von Netzteilherstellern gesponsert. Wir sind diesbezüglich also völlig unabhängig.
Wer unsere Tests regelmäßig verfolgt, der weiß, dass wir zudem auch noch Zugriff auf die Teststation von Cooler Master in direkter
Nähe in Eindhoven haben und in Zweifelsfällen dort unsere Ergebnisse an einer zweiten Station aber in einem anderen Setup verifizieren können.
Wir sind nun also nun in der mehr als "luxuriösen" Lage gleich zwei Chroma-Teststationen in direkter Reichweite zu haben um unserer
Ergebnisse zu validieren.