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Lian Li Edge 1300 ATX-3-Netzteil im Test (9/9)

Zusammenfassung

Der Start von ATX 3 scheint viele Hersteller beim Design ihrer Netzteile regelrecht beflügelt zu haben sich neue Features auszudenken. Lian Li, vor allem bekannt für seine hervorragenden Gehäuse, ist bei Netzteilen bisher eher zurückhaltend gewesen, sorgt nun mit dem EDGE aber für um so mehr Aufmerksamkeit. Das Netzteil mit der "Ecke" ist natürlich speziell auf die Gehäuse von Lian Li abgestimmt, kann aber auch in allen ähnlichen Bautypen anderer Hersteller genutzt werden. Die echten Vorteile bei der Verkabelung spielt das Modell bei vertikaler Montage aus. Neben den hochwertigen Singe-Sleeve Kabeln und der besonderen Bauform liefert das EDGE auch bei den Messdaten gute Resultate.

Bei 230 V Eingangsspannung erreicht das EDGE 1300 klar den 80 Plus Platinum Level, und auch bei 115V steht es recht gut da. Die besten Effizienzwerte sehen wir von etwa 20 bis 50% Last, wo fast durchgängig ein Wirkungsgrad von 94 % erreicht wird. Trotz der hohen Leistung von 1300 Watt steht das Netzteil auch im unteren Lastbereich noch recht gut und erfüllt die 2 % ATX Regel. Bei der Effizienz bis 100 Watt merkt man dem Modell aber schnell an, dass es ein Leistungsbolide ist, denn unter 7 Watt Verbrauch sinkt das EDGE 1300 nie.

Die Holduptime liegt mit 16.9 ms noch auf ATX 3.0 Level und damit höher als es die neuere ATX 3.1 Spezifikation erfordert. Die meisten hochwertigen Netzteile werden das wohl auch so beibehalten. Beim Timing und Housekeeping zeigen sich gute und niedrige Werte, so dass hier auch die neusten Energiesparmodie problemlos unterstützt werden.

In Sachen Restwelligkeit gibt es Standardkost. Mit etwa 30-40 mV auf 12V steht das Netzteil gut da, aber es kommt nicht an die hervorragenden Werte der  Top Netzteile heran, die auf bis zu 10 mV herunter gehen. Das gleiche gilt für die Nebenspannungen mit etwa 30 mV ripple, wobei hier auch ein unregelmäßiges Signal mit viel Noise-Elementen auffällt.

Bei der Spannungsregulation sind zwei Dinge zu nennen. Zum einen fällt diese gerade auf 12V mit einem Spannungsabfall unter 1 % recht stabil aus. Allerdings ist die Spannung des EDGE 1300 auf 12,2 V optimiert, was nach der neuen ATX 3.0,3.1 auch zulässig ist. Durch diese Einstellung verhindert man zu hohe Spannungsdrops bei hohen Lastspitzen. Das ist auf der einen Seite vorteilhaft, führt hier aber auch zu einem kleinen Nachteil. Beim Einschalten des Netzteils kommt es kurzfristig zu höheren Spannungen und die maxmal erlaubten 12.6 V werden komplett ausgereizt.

Die Schutzschaltungen funktionieren beim EDGE 1300 problemlos. Das gilt insbesondere für die wichtigste Schutzschaltung SCP gegen Kurzschlüsse. Diese reagiert bei manchen ATX 3 Modellreihen und langen SATA-Kabeln auch mal schlecht bis gar nicht. Beim Lian Li Netzteil konnten wir solche Probleme nicht finden, selbst bei den extrem langen Kabeln erfolgt die SCP Abschaltung sofort. 

 uch OPP und OCP Arbeiten einwandfrei, mit aber recht hohen Reserven. Bis nahezu 1800 Watt konnte das EDGE 1300 liefern bevor die Abschaltung erfolgte. Das sind fast 40 % Überlast und damit deutlich mehr als die sonst normal üblichen 20-30%. Dauerhaft sollte man das Netzteil definitiv nicht mit solchen Lastwerten betreiben.

Bei der Lüftersteuerung/Laustärke konnte uns das EDGE 1300 leider nicht ganz überzeugen, weil es hier ein Opfer seiner kompakten Maße wird. Lian Li hat hier ein 1300 Watt Netzteil in ein 135 mm Gehäuse untergebracht und mit einem 120 mm Lüfter versehen. Es ist zu erwarten, dass der Betrieb unter hoher Last dann eine höhere Drehzahl erfordert und so sehen wir auch entsprechend Messungen bis hin zu 1900 UPM. Leider dreht der Lüfter auch schon bei 50% Last mit über 1000 UPM und ist dort klar wahrnehmbar. Der semipassive Modus arbeitet bis etwa 300 Watt, so dass bei den meisten PCs im IDLE der Lüfter still stehen sollte.

Die minimale Drehzahl des Lüfters liegt bei etwa 800 UPM, wobei der Anlauf bis etwa 1000 UPM hoch dreht. Positiv anzumerken ist die gute Verzögerung des Anlaufs und das so ein Aufschaukeln das Lüfters selten auftreten sollte. Interessant wäre zu sehen, wie sich der Lüfter bei der 850 und 1000 Watt Version verhält, denn hier könnte das Ganze aufgrund der geringeren Leistung und Temperaturentwicklung deutlich besser aussehen. Unsere Messugen gelten natürlich nur für die getestete 1300 Watt Version.

Fazit

Das Lian Li EDGE ist ein sehr schönes Netzteil für Freunde des Kabelmangement und von Dual-Chamber-Gehäusen wie der Lian Li O11 Serie. Denn dort kann das Modell im vertikalen Einbau seine Stärken voll ausspielen. Diese Liegen nämlich in der aussergewöhnlichen Bauform und den hochwergen im Lieferumfang enthaltenen Singe-Sleeve-Kabel mit Knickschutz und anderen nützlichen Features. Weniger gut gefallen am EDGE hat uns eigentlich nur die eher hohe Lüfterdrehzahl, bedingt durch das kompakte Gehäuse und die minimal Drehzahl von 800 UPM. Damit wird es für Silente-Freaks eher unattraktiv, auch wenn der semipassiv Modus gut funktioniert und bis 300 Watt Ruhe ist. Andere Netzteile stehen in diesem Punkt allerdings deutlich besser da.

So bleibt am Ende ein solides Netzteil mit guter Effizienz, stabilen Messwerten, gehobener Ausstatung und einer vor allem ausgefeilten Bauart für spezielle Einsätze, wenn es um gute Optik und Kabelmanagement geht. Die Lian Li Edge Netzteile sind bei Caseking* bereits im Shop gelistet.

Vorteile

  • Sehr gute Effizienz von 10 bis 40% Last
  • Peak Effizienz 94%
  • Effizienz bei 230V auf Platinum Level
  • Erfüllt ATX 2% Regel
  • Hohe Standby-Effizienz
  • Hochwertiger 12V-2x6 Anschluss mit speziellen Kontakten
  • ATX3.1 kompatibel
  • 16 ms Holduptime bei 100% Last
  • Hochwertige Single-Sleeve Kabel
  • Einschaltstrombegrenzung
  • 10 Jahre Garantie

Nachteile

  • 12V Einschaltspannung hoch bis 12.6 V
  • Ripple ungleichmäßig auf 3,3/5V
  • Hohe Lüfterdrehzahl ab 1000W (Sprunghafter Anstieg)


05.07.24 / rj

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