Nach mehr als drei Jahrzehnten schließt ein bekanntes Kapitel der frühen Internetnutzung: AOL wird seinen Modem-Einwahldienst zum 30. September 2025 einstellen. Damit endet eine Zugangstechnologie, die in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren für viele Nutzer der Ausgangspunkt ins Netz war.

Parallel zur Abschaltung des Netzzugangs werden auch der AOL Dialer und der Browser AOL Shield aus dem Verkehr gezogen. Beide Komponenten waren auf ältere Betriebssysteme und niedrige Bandbreiten ausgelegt: Der Dialer koordinierte den Verbindungsaufbau, während Shield durch reduzierte Funktionalität und Sicherheitsfunktionen eine Nutzung auf betagter Hardware erleichtern sollte. Mit dem Stichtag entfällt die Pflege dieser Werkzeuge.
AOLs Wurzeln im Einwahlbereich reichen bis 1985 zu Quantum Link für Commodore-Systeme zurück. Unter dem Namen America Online startete 1991 der Dienst, der die frühe, vorwiegend textbasierte Netzwelt prägte. Mit dem Aufkommen des World Wide Web wuchs die Nutzerzahl stark und überschritt Anfang der 2000er-Jahre die Marke von 20 Millionen. Der rasche Ausbau von Breitbandanschlüssen leitete anschließend den Rückgang der Einwahlverbindungen ein.
Einwahlzugänge via Modem bieten nominell nur sehr geringe Datenraten und eine hohe Latenz. Moderne Webseiten setzen aber umfangreiche Skripte, große Grafiken und Multimedia-Inhalte voraus. In der Praxis führt das dazu, dass Seitenaufrufe teils Minuten dauern oder fehlschlagen. Auch sicherheitsrelevante Anforderungen - etwa zeitnahe Zertifikatsprüfungen oder verschlüsselte Verbindungen mit aktuellen Protokollen - sind unter solchen Bedingungen nur eingeschränkt praktikabel.
Nach den vorliegenden Daten nutzen noch rund 175.000 Haushalte in den USA die Einwahldienste, häufig in ländlichen Regionen ohne wirtschaftlich tragfähige Breitbandinfrastruktur. Alternative Zugänge sind verfügbar, haben aber jeweils Einschränkungen: Satellitenzugänge bedienen inzwischen einige Millionen Anschlüsse und liefern deutlich höhere Raten, bringen jedoch oft Volumenbegrenzungen und höhere Latenzen mit. Klassische Breitbandtechniken über DSL, Kabel oder Glasfaser versorgen die Mehrheit der Nutzer, setzen jedoch Investitionen voraus, die in dünn besiedelten Gebieten nicht immer erfolgen.
In Deutschland spielt die Modem-Einwahl seit Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle. Der flächendeckende Umstieg auf All-IP-Telefonie hat analoge Leitungen weitgehend abgelöst; klassische Modems funktionieren über VoIP-Strecken oft nur eingeschränkt. Für Haushalte und Büros dominieren DSL/VDSL, Kabel und Glasfaser, während LTE/5G-Festnetzersatz (Fixed Wireless Access) als Übergangs- oder Ergänzungslösung dient. Satellitendienste stehen als Option in Randlagen zur Verfügung, erfordern jedoch freie Sicht und verursachen vergleichsweise hohe, laufende Kosten.
