OpenAI startet in der Europäischen Union die Einführung unsichtbarer Wasserzeichen für Texte aus ChatGPT und Codex. Die Kennzeichnung wird in den kommenden Wochen ausgerollt und soll KI-generierte Inhalte maschinell erkennbar machen. Für API-Nutzer steht die Funktion weltweit als freiwillige Option bereit, bleibt jedoch standardmäßig deaktiviert.

Technisch setzt OpenAI auf das eigene Verfahren "textGrain". Dabei werden keine sichtbaren Marker in den Text eingefügt. Stattdessen erzeugt das Modell über seine Wortwahl ein statistisches Muster, das später von einem Detektor erkannt werden soll. Nach Angaben des Unternehmens hat die Aktivierung des Wasserzeichens kaum Einfluss auf die Qualität der generierten Texte.
Die Einführung steht dabei in einem direktem Zusammenhang mit dem EU AI Act. Dessen Transparenzvorgaben gelten seit dem 2. August 2026 und verpflichten Anbieter generativer KI dazu, KI-generierte Inhalte maschinell identifizierbar zu machen. OpenAI unterstützt zudem den freiwilligen Verhaltenskodex der EU für KI-generierte Inhalte und nutzt die EU nun als erstes reales Testfeld für die neue Technologie.
Allerdings zeigt sich bereits, dass Wasserzeichen kein Allheilmittel sind. OpenAI verweist selbst auf deutliche Schwächen bei später bearbeiteten Texten. In internen Tests wurde bei englischen Texten mit rund 400 Token eine Trefferquote von etwa 92 Prozent erreicht. Wurden anschließend nur 10 Prozent der Wörter durch Synonyme ersetzt, sank die Erkennung auf etwa 66 Prozent. Bei einer Veränderung von 25 Prozent der Wörter fiel die Quote sogar auf nur noch 17 Prozent. Auch kurze Texte, mathematische Inhalte und Übersetzungen gelten als schwierige Einsatzbereiche.
Vor diesem Hintergrund bleibt der zugehörige Detektor zunächst unter Verschluss. Zugriff erhalten vorerst nur ausgewählte Forscher und Fachorganisationen. OpenAI warnt zudem ausdrücklich vor Fehlinterpretationen. Ein fehlendes Wasserzeichen belegt nicht, dass ein Mensch den Text geschrieben hat. Umgekehrt lässt sich aus einem erkannten Wasserzeichen nicht ableiten, wie groß der menschliche Anteil an der Erstellung tatsächlich war.
