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be quiet! Pure Power 11 FM im Test - Eine echte Überraschung! (9/9)

Zusammenfassung

Nachdem wir nun alle bisher verfügbaren Modelle des Pure Power 11 FM getestet haben, können wir sagen: Ja die Überraschung ist perfekt! Das Pure Power 11 FM ist ohne Zweifel ein echter Schritt nach vorne für be quiet! und eines der besten Netzteile, die die Hersteller in den letzten Jahren veröffentlicht hat.

Anhand unserer Messdaten lässt sich schnell erkennen, dass das neue Pure Power 11 FM nicht nur erheblich besser abschneidet als das Pure Power 11. Nein es konkurriert auch locker mit dem Straight Power 11 Gold (schlägt dieses sogar in einigen Bereichen) und kommt auch an das Straight Power 11 Platinum heran. Wer sich für die Ergebnisse im Detail interessiert, kann auf den vorherigen Seiten zu fast allem, was man an so einem Netzteil an relevanten Daten messen kann ein Diagramm und die entsprechenden Erläuterungen dazu finden.

Es gibt gleich mehrere Punkte in denen das Pure Power 11 FM wirklich überrascht. Zum ersten wäre da die Effizienz. Dem Netzteil, insbesondere der 550 Watt Version, fehlt so wenig an Effizienz zur 230V-Platinum-Zertifizierung, dass jedes bisschen mehr die Grenzwerte überschritten hätte. Oder um es noch anders zu formulieren: Es gibt einige Tricks, wie man bei der Effizienzmessung immer 0,2 bis 0,5 % herausholen kann. Wir messen generell den "Worst-Case", würde man den "Best-Case" Messen, wäre das Pure Power 11 ein 230V-Platinum-Netzteil. Die angegebenen Werte von bis zu 93,5 % schafft das Netzteil tatsächlich, und zwar wenn man nur geringe Lasten auf den Nebenspannungen hat. Aber auch bei höheren Belastungen der Nebenspannungen sind es immer noch schnell 91%, die das Netzteil schaukelt.

Neben den hohen Effizienzwerten insgesamt punktet das Pure Power 11 FM auch noch bei niedrigen Lasten. Das hat es der wesentlich moderneren Plattform zu verdanken. So wie zuletzt die RMX 2021 Serie von Corsair ist auch das Pure Power bereits auf die Anforderungen der neusten ATX-Spezifikation vorbereitet, bei der es gilt bei 2% Last eine Effizienz von 72 % zu erreichen.  Wie sich das auswirkt, kann man wunderbar in unserem Diagramm bei der Effizienz von 5 bis 100 Watt sehen, denn dort geht die Verlustleistung auf bis zu 3.86 Watt herunter und bei etwa 40 Watt sieht man eine Umschaltung des Netzteils in den Burst-Mode. Beim Pure Power 11 CM fällt die Effizienz dort drastisch ab, mit der entsprechend höheren Verlustleistung.

Die Standby Effizienz ist beim Pure Power 11 FM ist zwar nicht ganz so gut und bleibt unter 80%, reicht aber locker um durchweg mit ErP und anderen Stromsparsettings klar zu kommen. In dem Zusammenhang fallen auch die besonders niedrigen Timings des Netzteils auf, die für eine bessere Kompatibilität mit kommenden Stromspartechniken ermöglichen.

Weiter geht es mit der Spannungsregulation. Es mutet fast etwas seltsam an, aber auch hier liefert das Pure Power 11 FM top Werte für ein Mittelklasse Modell. Tatsächlich ist es sogar so, dass das Straight Power 11 hier vom kleineren Pure Power 11 FM geschlagen wird. Das einzige kleine Manko, welches beim PP FM auffällt, ist der bei niedrigen Lasten ansteigende Spannungsverlauf der 12 V Schiene.

Ein Blick auf die 12-Ripple bringt noch mehr erstaunen, denn bisher war dies ein Punkt, in dem be quiet! Modelle nie so wirklich zu den besten gehörten, nicht einmal in der Dark Power Serie. Das Pure Power 11 FM hingehen liefert jetzt für seine Klasse geradezu auffällig gute Resultate bei der Restwelligkeit. Insbesondere auf den PCIe und EPS Anschlüssen liegt die Ripple bei etwa 20 mV mit kaum Störungen im Signal.

Bei vielen Netzteil, gerade wenn sie etwas günstiger sind, wird am Primärkondensator gespart, was sich dann auf die Holdup-Time negativ auswirkt. Abgesehen vom 550 Watt Modell gibt es aber auch hier nichts zu meckern. Die 650 und 750 Watt Modelle liefern beide mindestens die geforderten 16 ms und dazu noch gut 3 ms Puffer von PG Signal bis zum Abfall der Spannung.

Die Schutzschaltungen funktionieren wie von be quiet! gewohnt einwandfrei. Der Hersteller ist bekannt dafür auf diesen Punkt immer extrem viel Wert zu legen. Was allerdings auffällt ist, dass die Trigger der beiden 12V Rails nun ziemlich hoch angesetzt sind und bei uns sowohl auf  Rail 1 und 2 bei über 50 A liegen, damit werden die Vorteile der Multirail-Konfiguration etwas ausgehebelt. Eventuell hat sich be quiet! dazu entschieden um Problemen mit besonders Stromhungrigen Grafikkarten von vorne herein aus dem Weg zu gehen.

Nach all den Highlights bleibt noch die Lüftersteuerung und der Lüfter selbst. Auch ein Steckenpferd auf das be quiet! quasi seinen Ruf aufbaut. Zunächst einmal arbeitet das Netzteil nicht semi-passiv und das braucht es auch nicht, denn mit einer minimalen Drehzahl von etwa 450 UPM ist das Pure Power 11 FM eigentlich nicht zu hören. Die Drehzahl steigt zudem extrem langsam an, so dass es nicht zu einem Aufheulen des Lüfters kommen kann. Das 750 Watt Modell erreicht bis zu 1200 UPM, ist aber selbst damit noch in einem angenehmen Geräuschlevel. Die 550 und 650 Watt Versionen sind insgesamt extrem leise und kommen mit niedrigeren Drehzahlen aus.

Fazit

Das neue Pure Power 11 FM ist eine echte Überraschung. Man merkt hier drastisch den Plattformwechsel, den be quiet! mit dem Wechsel von FSP auf CWT als Fertiger vollzogen hat. Das Netzteil ist quasi in allen Belangen besser als das Pure Power 11 und nicht nur geringfügig, sondern zum Teil so deutlich, dass selbst das Straight Power 11 Gold in Bedrängnis gerät.

Dass sich Pure Power und Straight Power quasi auf dem gleichen Effizienzlevel bewegen und auch bei den übrigen Messungen dicht beieinander liegen umschifft be quiet! geschickt, indem beim Pure Power etwas günstigere Komponenten genutzt werden. (z.b. 85 Grad Kondensatoren). Zudem besitzt das Straight Power noch ein paar mehr Optimierungen was die Laustärke angeht und natürlich wie bei "Sportwagen" das schickere Gehäuse-Design. Ansonsten wäre das Straight Power mit dem Pure Power 11 FM auch überflüssig geworden.

Das Pure Power 11 FM leistet sich wenn überhaupt nur ein paar kleine Schönheitsfehler im Test. Die Garantie liegt gegenüber der Konkurrenz mit 5 Jahren etwas niedriger. Wer mit dem Pure Power liebäugelt sollte zur FM-Version greifen, wenn die Preisdifferenz nicht zu hoch ist. Aufgrund von Angeboten ist das beim älteren Pure Power allerdings öfter der Fall!

Mit dem Pure Power 11 FM ist be quiet! wieder zurück in der Spur und auf dem richtigen Weg. Dementsprechend darf man auf die nächste Generation des Straight Power oder andere Modelle sehr gespannt sein!

Vorteile

  • Quasi Platinum Effizienz bei 230V zum "Gold-Preis"
  • Sehr gute Effizienz bei niedrigen Lasten
  • guter Lüfter, geringe minimale Drehzahl (450 )
  • Insgesamt gute Verarbeitung
  • Gute bis sehr gute Spannungsregulation
  • Gute Restwelligkeit
  • ATX 2.52 kompatibel
  • Vollmodular

Nachteile

  • OCP 12 etwas hoch für Multirail
  • Holduptime bei 550 Watt Modell unter 16 ms
  • Etwas geringere Garantie als die Konkurrenz (5 Jahre)


30.6.21 / rj

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