
AMD scheint Intels Präsentation dennoch als direkten Angriff verstanden zu haben und veröffentlichte ein kurzes Slide Deck mit dem Titel "Positioning vs. Intel Panther Lake". Die Datei umfasst vier Seiten, von denen jedoch nur zwei tatsächliche Inhalte enthalten. Schon die Struktur zeigt, dass AMD die Diskussion bewusst zuspitzt, um die eigenen Stärken hervorzuheben.
Die erste inhaltliche Folie teilt den Notebook Markt in Premium, Thin and Light, Mainstream und Entry ein. AMD ordnet diese Kategorien den eigenen Serien Ryzen AI Max, Ryzen AI 400, Ryzen AI 300 und Ryzen 200 zu und markiert in nahezu allen Bereichen einen Sieg. Nur ein Segment wird als gleichwertig dargestellt. Die Darstellung wirkt wie eine direkte Antwort auf Intels Positionierung und soll offenbar zeigen, dass AMD in allen wichtigen Marktbereichen die Nase vorn sieht. Dass die Bewertung ausschließlich auf AMDs eigener Einordnung basiert, wird zwar erwähnt, aber nicht weiter relativiert.
Die zweite Folie richtet sich explizit gegen Intels CES-Aussagen zum Core Ultra X9 388H. AMD behauptet, dass der Ryzen AI Max 395 Plus eine um 37 Prozent schnellere Grafikleistung biete und zudem doppelt so viele Verarbeitungsthreads bereitstelle. Diese Angaben sind technisch korrekt, allerdings weist AMD nicht darauf hin, dass die Max Serie für deutlich höhere Leistungsbudgets ausgelegt ist und damit nicht direkt mit Intels H Serie vergleichbar ist. Dennoch nutzt AMD die Zahlen, um Intels Messaging zu kontern und die eigene Plattform als leistungsstärker darzustellen.
Darüber hinaus widerspricht AMD Intels Effizienzargumenten. In der Präsentation wird auf Intel Material verwiesen, das laut AMD keine nennenswerten Vorteile bei Energieverbrauch und Akkulaufzeit gegenüber Lunar Lake zeige. AMD kritisiert außerdem, dass Intel für große Teile der Produktpalette keine konkreten Angaben zu Leistung, Effizienz oder KI Fähigkeiten gemacht habe. Daraus leitet AMD ab, dass die Ryzen AI 400 Serie in diesen Bereichen die Führung übernehmen werde. Die Argumentation bleibt jedoch spekulativ, da unabhängige Tests fehlen und die Ryzen AI 400 Serie nur ein moderates Update der 300er Generation darstellt.
Die ungewöhnlich direkte Tonlage der Präsentation wirft die Frage auf, ob AMD damit eine Lücke füllen möchte, weil in diesem Jahr keine neue Ryzen CPU Generation erscheint. Möglich ist auch, dass AMD Zweifel an der Belastbarkeit von Intels CES Aussagen hat und diese frühzeitig öffentlich infrage stellen will. Gleichzeitig deutet die Reaktion darauf hin, dass der Wettbewerb im mobilen Segment intensiver wird, da Intel mit Panther Lake eine effizientere Architektur und stärkere integrierte Grafik verspricht.
Intel plant den Marktstart von Panther Lake noch in diesem Monat. AMD hat hingegen keine Details zu Review Embargos für die Ryzen AI 400 Serie genannt. Da die 400er Modelle jedoch nur eine Weiterentwicklung der 300er Serie darstellen und die Max 300 Plattform bereits seit fast einem Jahr verfügbar ist, existiert zumindest ein grober Eindruck der zu erwartenden Leistung. Wie sich beide Plattformen im direkten Vergleich schlagen, wird sich erst mit unabhängigen Tests zeigen.


