Intel hat auf der Embedded World 2026 die Core Series 2 vorgestellt, eine neue CPU-Familie für den weiterhin weit verbreiteten Sockel 1700. Unter dem Codenamen Bartlett Lake erscheinen elf Modelle, die vollständig auf große P-Kerne setzen und damit bis zu zwölf Raptor-Cove-Kerne bereitstellen.

Die Hybrid-Architektur der Core-i-13000- und 14000-Serien entfällt, da Intel die bisherigen E-Cluster durch zusätzliche P-Kerne ersetzt. Ziel ist eine stabilere, deterministische Leistung für Echtzeit- und Industrieanwendungen.
Technisch basiert Bartlett Lake weitgehend auf Raptor Lake. Architektur, Fertigung, Uncore-Struktur und integrierte Grafik entsprechen den bekannten Desktop-Generationen. Auch die maximale TDP von 125 Watt und reguläre Boost-Takte bis 5,9 GHz bleiben erhalten. Spezielle Turbo-Mechanismen wie Thermal Velocity Boost fehlen, da die Serie auf professionelle Einsatzfelder ausgelegt ist, in denen konstante Leistung wichtiger ist als kurzfristige Spitzen.
Die Plattform unterstützt weiterhin Dual-Channel-DDR5 bis 5600 MT/s und bietet 16 PCIe-5.0-Lanes für Grafikkarten oder Beschleuniger, ergänzt durch vier PCIe-4.0-Lanes über den Chipsatz. Intel nennt den professionellen W680 als Referenz, doch die technischen Eckdaten deuten darauf hin, dass auch andere Sockel-1700-PCHs kompatibel sein dürfte. Offiziell erklärt Intel jedoch, dass Core-Series-2-CPUs derzeit nicht auf Desktop-Mainboards laufen. Ob dies eine bewusste Produktpolitik ist oder ob passende UEFI-Versionen fehlen, bleibt offen. Vorab aufgetauchte Bilder eines Bartlett-Lake-Samples auf einem Z790-Apex-Board zeigen zumindest, dass Tests bereits stattgefunden haben.
Die größte Neuerung liegt in der homogenen Kernkonfiguration. Statt acht großen Kernen plus mehreren E-Clustern setzt Bartlett Lake auf bis zu zwölf identische P-Kerne mit 24 Threads. Intel verspricht dadurch eine deutlich bessere deterministische Reaktionszeit und niedrigere PCIe-Latenzen. Gerade in Echtzeit-Szenarien, in denen Sensordaten innerhalb eines festen Zeitfensters verarbeitet werden müssen, können heterogene Designs durch Kernwechsel oder Chip-übergreifende Zugriffe zusätzliche Mikrosekunden verursachen. Solche Ausreißer begrenzen die garantierbare Mindestleistung, selbst wenn Durchschnittswerte hoch sind.
Im Vergleich zu AMDs Zen-5-Zwölfkernern argumentiert Intel mit Vorteilen bei der Konsistenz. Zen-5-Modelle verteilen ihre Kerne über zwei Chips, was zu fragmentierten Caches und schwankenden Inter-Core-Latenzen führen kann. Bartlett Lake setzt dagegen auf einen monolithischen Aufbau. In klassischen Desktop-Anwendungen sind jedoch keine großen Leistungssprünge zu erwarten. Bis zur Auslastung von acht Kernen verhält sich ein Core-9-Modell ähnlich wie ein Core i9-14900, während bei stark parallelisierten Workloads die fehlenden E-Kerne spürbar werden.
Damit positioniert Intel die Core Series 2 klar für industrielle Steuerungen, Automatisierung, Edge-Computing-Szenarien und Systeme, in denen konstante P-Kern-Leistung ohne Hintergrundlast entscheidend ist. Für klassische Desktop-Nutzer bleibt Bartlett Lake vorerst ein Spezialprodukt, solange Mainboard-Hersteller keine passenden Firmware-Updates für Consumer-Plattformen bereitstellen.


