Noch bevor Intel selbst ein Wort darüber verloren hat, liefert GIGABYTE die bislang deutlichste Bestätigung für Raptor Lake NEXT. Der Mainboard-Hersteller hat neue BIOS-Versionen für sämtliche B760- und H610-Mainboards veröffentlicht und spricht darin ausdrücklich von Unterstützung für kommende LGA-1700-Prozessoren.

Genau darin liegt die eigentliche Nachricht. Offiziell existiert derzeit keine neue Intel-Prozessorfamilie für den Sockel LGA 1700. Seit Monaten kursieren jedoch Berichte über Raptor Lake NEXT, eine weitere Überarbeitung der bestehenden Raptor-Lake-Generation. Mit dem BIOS-Hinweis bestätigt GIGABYTE die neue CPU-Serie zwar nicht direkt, die Formulierung lässt allerdings kaum Raum für alternative Interpretationen.
Die mögliche Rückkehr von LGA 1700 kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Während Intel mit Arrow Lake und später Nova Lake auf neue Plattformen setzt, bleibt LGA 1700 die letzte Generation mit Unterstützung für DDR4 und DDR5. Gerade angesichts der stark gestiegenen Speicherpreise könnte das für viele Käufer wieder ein wichtiges Argument werden. DDR5 bleibt in zahlreichen Regionen deutlich teurer als ursprünglich erwartet, während vorhandene DDR4-Systeme weiterhin problemlos genutzt werden können.
Für Besitzer bestehender Systeme sind die neuen BIOS-Versionen deshalb besonders interessant. Wer bereits ein B760- oder H610-Mainboard besitzt, soll die kommenden Prozessoren laut GIGABYTE direkt nutzen können. Ein vollständiger Plattformwechsel wäre damit nicht notwendig. Statt Mainboard, Speicher und CPU gleichzeitig zu ersetzen, würde in vielen Fällen ein einfacher Prozessortausch genügen.
Auch die bislang geleakten Spezifikationen passen zu dieser Strategie. Erwartet werden günstige Core-3- und Core-5-Modelle für Aufrüstsysteme, gleichzeitig ist von Varianten mit bis zu 16 oder sogar 20 Kernen die Rede. Die Leistungsaufnahme soll je nach Modell zwischen 65 und 125 Watt liegen. Raptor Lake NEXT wird dabei weniger als neue Architektur gehandelt, sondern vielmehr als kostengünstige Alternative zur kommenden Nova-Lake-Generation.
Für Intel könnte die zusätzliche CPU-Familie mehrere Probleme gleichzeitig lösen. Einerseits lässt sich die enorme installierte Basis an LGA-1700-Systemen weiter bedienen. Andererseits erhält der Konzern eine Plattform, die weiterhin günstige DDR4-Konfigurationen ermöglicht. Genau dieser Punkt gewinnt durch die aktuelle Speicherkrise und die steigenden Hardwarepreise wieder an Bedeutung.
Offiziell bestätigt hat Intel die neue Prozessorserie bislang nicht. Nach dem BIOS-Update von GIGABYTE wird jedoch immer deutlicher, dass LGA 1700 entgegen früheren Erwartungen noch eine weitere CPU-Generation erhalten dürfte.
