Der weltweite Festplattenmarkt steht vor einer historischen Verknappung. Western Digital und Seagate haben bestätigt, dass ihre Produktionskapazitäten für das gesamte Kalenderjahr 2026 bereits vollständig oder nahezu vollständig verkauft sind.

Auch Toshiba dürfte laut Branchenkreisen in einer ähnlichen Lage sein. Die Aussagen stammen aus Analystengesprächen zu den jüngsten Quartalszahlen und bestätigen Spekulationen, die seit Herbst 2025 kursieren.
Haupttreiber der Nachfrage sind Hyperscaler wie Amazon, Google, Microsoft, Meta und OpenAI. Sie sichern sich große HDD-Kontingente für KI-Rechenzentren, in denen Festplatten weiterhin eine zentrale Rolle spielen, etwa für das Speichern riesiger Trainingsdatensätze. Western-Digital-CEO Tiang Yew Tan erklärte, man habe feste Bestellungen der sieben größten Kunden für das gesamte Jahr 2026 und bereits langfristige Abkommen für 2027 und 2028 abgeschlossen. Seagate-Chef William Mosley berichtete, dass die Nearline-HDD-Kapazitäten bis 2026 vollständig zugeteilt seien und man bald Bestellungen für 2027 annehme. Nearline-Modelle machten zuletzt 87 Prozent des gesamten HDD-Absatzes aus.
Trotz der Rekordnachfrage planen die Hersteller keine kurzfristige Ausweitung der Produktion. Seagate wolle Kapazitätswachstum ausschließlich über größere Platten erreichen, nicht über höhere Stückzahlen. Western Digital profitiert bereits von steigenden Preisen: Umsatz und Gewinn legten im vierten Quartal 2025 deutlich zu, die Bruttomarge stieg auf über 46 Prozent.
Die Knappheit wirkt sich auch auf SSDs aus. Da Hyperscaler als Ausweichlösung hochkapazitive SSDs kaufen, verschieben Hersteller ihre Fertigung, was die Preise im Einzelhandel weiter steigen lässt. Viele SSDs bis 2 TB kosten seit Sommer 2025 rund 50 Prozent mehr, kleinere Anbieter ohne eigene NAND-Produktion verzeichnen sogar Preissteigerungen um den Faktor 2 bis 3. Zusätzlich verschwinden Western-Digital-SSDs aus dem Markt, da die Modelle künftig unter der Marke Sandisk weitergeführt werden.
Branchenanalysten erwarten, dass die Lage bis mindestens 2027 angespannt bleibt. Die langfristigen Vorbestellungen der Cloud-Konzerne zeigen, dass HDDs trotz des SSD-Booms weiterhin eine Schlüsselrolle in KI-Infrastrukturen spielen.
