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be quiet! Straight Power 11 im Test - Jetzt noch effizienter und noch leiser? (10/10)

Fazit

Immer wenn ein neues be quiet! Netzteil auf den Markt kommt sind die Erwartungen hoch. Geht es noch leiser, geht es noch effizienter? Die Netzteile von be quiet! sind gerade in der Laustärke mittlerweile an einem Level angelangt, der nur noch mit immensem Aufwand zu steigern ist. Das Straight Power 10 war als aktives Netzteil bereits so leise, dass viele Nutzer es sogar besser als passive Netzteile einstufen, die leider oft elektronische Geräusche von sich geben. Hier noch einmal deutlich zuzulegen ist nicht gerade leicht. Um es gleich vorwegzunehmen, das neue Straight Power ist kein Messias, sondern eine gezielte Weiterentwicklung. bei der sich die Ingenieure von be quiet! mehrer Bereiche zur Verbesserung vorgenommen haben.

Als deutlichster Unterschied zum Vorgänger ist natürlich sofort die volle Modularität zu erkennen, die interessante Verbesserungen mit sich bringt. So sind nun nicht nur alle Kabel nun abnehmbar, sondern aufgrund der Modularplatine, die im Netzteil verlötet ist, kann be quiet! im inneren komplett auf Kabel verzichtet. Das steigert nicht nur die Effizienz, es verbessert auch die Belüftung und führt zu weniger Interferenzen und besseren Spannungen. Was wir uns an dieser Stelle allerdings einmal wünschen würden, wäre das be quiet! die eigenwilligen PCIe-Doppelanschlüsse am Netzteil in Rente schickt, in denen wir überhaupt keinen Vorteil erkennen können und die das Verkabeln einfach nur komplizierter machen.

Wenn man wie wir die Möglichkeit hat so ein Netzteil mit dem entsprechenden Equipment genau durchzumessen, sieht man dann auch direkt, dass be quiet! die Effizienz des Straight Power 11 tatsächlich deutlich steigern konnte. War das Modell zuvor eher im unteren Bereich der "Gold-Kategorie" zu finden, so hat es sich nun an die Spitze der Gold-Netzteile geschoben. In der Tat ist das neue Modelle so effizient, dass es den 230-V-Platin-Level nur noch bei 50% Last unterschreitet, ihn aber bei 20 % und 100 % Last hinter sich lässt. Man könnte also sagen, dass Straight Power 11 ist "zu 1/3 Gold und zu 2/3 Platin Netzteil". Das ist insbesondere deshalb interessant, weil einige 115V-Platin-Netzteile bei 230 V kaum besser dastehen als das Straight Power 11 und nur bei 115V den höheren Level erreichen. Im 230-V-Betrieb ist das Straight Power damit nun nur noch minimal ineffizienter als das Dark Power Pro 11, dass vermutlich auch bald ein Update bekommen wird. Das Straight Power 11 ist als 80 Plus Gold Netzteil maximal Effizient. Jedes bisschen mehr Effizienz hätte diese Modell vermutlich in die Platinum Kategorie befördert.

Was das neue Straight Power 11 in der Effizienz an Top-Leistungen abliefert kommt bei der Spannungsregulation nicht ganz auf das gleiche hohe Niveau. Zwar ist die 12V Spannung des Netzteils sehr stabil und mit weniger als 1 % Spannungsabfall sehr gut ausgelegt, aber die 3,3 V und 5 V Regulation kann da leider nicht ganz mithalten und platziert sich eher im < 3% Bereich. Das ist zwar um längen besser als es die Spezifikation fordert, aber nicht besser als andere Netzteile im gleichen Preissegment, die zum Teil insgesamt unter 1 % liegen. Dafür ist aber die 3,3 und 5 V Seite beim Straight Power mit 150 Watt combined power auch sehr stark ausgelegt und gut 50 Watt stärker als bei vielen anderen Modellen die nur 100 Watt liefern.

Gut sehen wieder die Ergebnisse in Sachen Ripple-Noise aus. Mit etwa 35 mV auf 12V und < 20 mV auf den Nebenspannungen liegen die Werte hier richtig gut. Wer es genau wissen will, der sollte sich dazu Screenshots im Test ansehen, die schön zeigen, dass das Straight Power 11 so gut wie kaum Noise-Anteile besitzt, was insbesondere auf den Nebenspannungen nicht so oft zu sehen ist.

Ein absolutes Sahneschnittchen sind unserer Meinung mal wieder die Schutzschaltungen des Straight Power 11. Nicht nur dass das Netzteil auf vier 12V Rails mit einer guten OCP und OPP abgesichert ist (abgesehen von der -12V leitung die aber eh kaum noch in Gebrauch ist), insbesondere die wichtige SCP ist hier sehr gut ausgeführt. Das Netzteil reagiert selbst auf schwer zu erkennende Kurzschlüsse an der 3,3 V Leitung extrem schnell. Derartig gut ausgeführte SCP-Schaltungen sind wirklich selten und sonst eher nur in der absoluten Top-Klasse zu finden.

Bleibt noch etwas zur Laustärke zu sagen. Auch hier macht be quiet! seinem Namen wieder einmal alle Ehre und liefert mit dem äußerst guten Silent Wings 3 Lüfter mit 6-Pol-Motor das derzeit beste auf dem Markt. Der Lüfter läuft bei nur 260 RPM so laufruhig und leise, dass be quiet! wieder einmal auf den semi-passiv Modus verzichten kann. Ob das Modell leiser ist als der Vorgänger. Ehrlich gestanden ist das mit dem Ohr nur noch schwer herauszuhören. Be quiet! gibt bei niedriger Drehzahl gerade einmal 8.5 dBA an und maximal 21.23 dBA. Insgesamt dürfte das Straight Power 11 insbesondere im relevanten Bereich unter 600 Watt damit wieder das leiseste aktive Netzteil auf dem Markt sein.

Ziehen wir unser Gesamtfazit. Das Straight Power 11 hat tatsächlich wieder ein ganzes Pfund zugelegt. Zwar nicht unbedingt in allen Bereichen, aber sicher genau dort wo man es erwartet hat. Das neue Modell ist zumindest genauso, wenn nicht sogar leiser als das Alte. Die Effizienz hat deutlich zugelegt und liegt nun fast auf Platinum Level. Insbesondere bei niedrigen Lasten gibt es einen ordentlich Schub nach oben. Die Absicherung ist auf hohem Niveau mit einer exzellenten SCP. Dass die Spannungsregulation auf den leistungsstarken Nebenspannungen nicht ganz so gut ausfällt nehmen wir im Tausch für die gute Absicherung eigentlich gerne in Kauf. Die Verarbeitung ist wie gehabt sehr gut und das Ganze gibt es nun auch noch voll modular. Die Garantiezeit beträgt wie gehabt 5 Jahre.

 Und das aller Beste kommt natürlich zum Schluss. Der Preis des neuen Straight Power 11 soll trotz etwas mehr Leistung und voller Modularität auf dem etwa gleichen Level wie bisher bleiben. Aktuell liegt das getestete 750 Watt Modell bei 118 Euro gegen 114 für den Vorgänger. Auf längere Sicht könnte die neue Version sogar günstiger werden als die alte. Das derzeit leiseste aktive Netzteil ist damit wie wir finden noch interessanter geworden und wird Silent-Freaks sicher eine ruhige Zeit bescheren.

Vorteile

  • Hervorragende Effizienz nahe Platinum-Level
  • Sehr gute Absicherung mit vier 12V Rails
  • Sehr empfindliche SCP (Kurzschlussicherung)
  • Fast unhörbar unter 300 Watt, extrem Leise unter 600 Watt
  • Sehr guter Lüfter mit 6-Pol-Motor
  • Voll Modular
  • Insgesamt gute Verarbeitung
  • Keine Preiserhöhung gegenüber Vorgänger
  • Niedrige Ripple/Noise mit kaum Noise Anteilen

Nachteile

  • Etwas komplizierte Verkabelung wegen Multirail und
    Verteilung auf PCIe Stecker
    Keine Beschriftung der Rails am Gehäuse
  • Spannungsregulation auf 3,3 und 5V könnte noch besser sein

 

16.01.17 / rj



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