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Corsair HX1000i 2022 Netzteil im Test - iCUE-Überwachung und konfigurierbare Lüftersteuerung

Digtiales Netzteil mit iCUE Anbindung

Trotz der anstehenden Neuerungen bei Netzteilen in Bezug auf den ATX 3 Standard, von denen erste Produkte zum Ende des Jahres erwartet werden, legt Corsair noch einmal nach und aktualisiert seine HX-Netzteile der oberen Mittelklasse.

 Zwei neue Modelle kommen auf den Markt, das Corsair HX1000i 2022 und das Corsair HX1500i 2022. Wir werfen zunächst einen ersten Blick nur auf das HX1000i, weil uns das Muster des HX1500i erst später erreichte. Aber auch zum 1500 Watt Boliden der neuen Serie werden wir natürlich einen Test nachliefern.

Die Netzteile ersetzen nicht etwa die sehr bekannten Modelle aus der HX-Serie von 2017, sondern sind als Ablösung der alten HXi Modelle aus dem Jahr 2014 gedacht, die nun schon satte 8 Jahre auf dem Buckel haben. Der Unterschied zwischen mit und ohne "i" ist einfach erklärt. Bei allen Corsair-Modellen steht das "i" im Namen für digital überwachte Netzteile, bei denen man via Software den Status des Netzteils auslesen und zum Teil auch verschiedene Konfigurationen einstellen.

Optisch bleibt alles beim Alten und Corsair setzt weiter auf sein schickes aber schlichtes Gehäusedesign mit abgewickelten Ecken, das für fast alle Modelle genutzt wird und zum optischen Erkennungsmerkmal für die Netzteile geworden ist.

Die neuen vollmodularen HXi-2022-Netzteile von Corsair setzen wie der Vorgänger auf 80 PLUS Platinum-Effizienz und fokussieren sich im Hauptmerkmal auf einen sehr geräuscharmen Betrieb, den man dank semi-passivem 140 mm Lüfter mit FD-Lager erreichen will. Der von Corsair bekannte Zero RPM-Modus sorgt für einen nahezu geräuschlosen Betrieb bei niedriger und mittlerer Last, weil der Lüfter dort eben still steht.

Das wirklich besondere am neuen HXi 2022 ist aber, dass sich die Lüfterkurve des Netzteils per Software benutzerspezifisch anpassen lässt, sogar während des Betrieb. Das geschieht, wie derzeit alles bei Corsair was Software angeht, über die zentrale Corsair-Steuersoftware iCUE. Die iCUE-Software ermöglicht dabei gleichzeitig die Überwachung aller relevanten Daten des Netzteils wie Spannungen, Lasten und auch Effizienz und erlaubt zudem die Umschaltung zwischen Multirail oder Singlerail betrieb mit einem Klick, auch das geschieht einfach während das Netzteil eingeschaltet ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Multirail-Netzteilen, bei denen verschiedene Anschlüsse am Netzteil verschiedenen Rails zugeordnet sind, was die Verkabelung recht kompliziert machen kann, geht Corsair einen anderen Weg. Bei den Corsair Netzteilen ist einfach jeder Anschluss auf eine maximale Belastung limitiert, die in der Regel etwa 40-45 Ampere entspricht.  Neben dieser einstellbaren OCP-Absicherung sind natürlich auch alle weiteren Schutzschaltungen beim HXi 2022 integriert. Die HXi Serie ist wie alle höherwertigen Corsair-Netzteile mit einer 10 Jahres Garantie abgesichert.

 

Zu den weiteren Besonderheiten der neuen HXi 2022 Serie gehört, dass es zu den wenigen Netzteilen zählt, die mit gleich drei EPS12V-Anschlüssen ausgeliefert werden, die für manche extreme OC-Mainboards genutzt werden können. Auch einige Serverboards besitzen 3 EPS-Anschlüsse für die Stromversorgung der CPUs. Da dass Netzteil vollmodular ist, muss das Kabel natürlich nicht angeschlossen werden, wenn es nicht benötigt wird.

Japanische 105°C-Elektrolytkondensatoren und andere weitere Qualitätskomponenten gehören bei Corsair in den hochwertigeren Klassen HX und AX sowieso zum Standard. LLC-Topologie und DC/DC-Wandlung sind mittlerweile sowieso üblich in der Netzteilklasse. Neu ist das interne voll digitale Design der HXi-Serie, das bisher den AXi-Modellen vorbehalten war. Es werden allerdings andere Komponenten als in der AXi-Serie genutzt. 

Wie schon die letzten neu aufgelegten Netzteil der TX-M,RMX und RM Serien sind auch die neuen HXi Netzteile für neue Standby-Modi optimiert, das heißt sie besitzen dafür optimierte Timings. Corsair ist ebenfalls Vorreiter in Sachen Effizienz bei 2% Last, die nach der letzten ATX2 Spezifikation  mindestens 72% Effizienz einfordert.

Bevor wir uns dem eigentlichen Netzteil zu wenden, werfen wir schnell noch einen Blick auf die Softwareseite, mit der sich das Netzteil steuern lässt. Auf nachfolgenden Seiten präsentieren wir euch dann alle Messwerte mit Erläuterungen zu den einzelnen Tests. Fragen zu den Ergebnissen können gerne jederzeit in unserem Netzteile Forum gestellt werden.

iCUE mit an Board

Die Steuerung und Überwachung des Netzteils erfolgt über die iCUE Software und ist natürlich optional. Um das Feature zu nutzen wird das Netzteil über ein beiliegendes USB-C auf intern USB Adapterkabel an das Mainboard angeschlossen. Daraufhin leuchtet die LED am Netzteil auf und man kann die iCUE-Software starten. Das Netzteil wird automatisch ohne weitere Installation erkannt.

In der Software gibt es dann wie üblich verschiedene Reiter. Einer dient der Überwachung des Netzteils. Hier kann man nicht nur die aktuelle Lüfterdrehzahl und die Temperatur im Netzteil sehen, man kann auch sämtliche Spannungen und die aktuellen Belastungen in Ampere ablesen. Dazu kommt die aktuelle Ausgangsleistung des Netzteils und auch die gemessene Eingangsleistung in Watt, woraus sich auch die aktuelle Effizienz des Netzteils ermitteln lässt.

Die Software stellt dabei nicht nur die aktuellen Werte zur Verfügung, sondern kann auch Logfiles schreiben und die Veränderungen anhand von Kurven grafisch darstellen. So kann man zum Beispiel sehen wie die Belastung des Netzteils in den letzten Minuten ausgesehen hat.

Wir haben natürlich mit unserer Chroma getestet wie gut die hier angegebenen Werte passen. Generell muss man sagen, dass es sich bei allen Werten außer der Spannung, die recht genau wiedergegeben wird, eher um Schätzungen handelt. Das ist bislang bei alle Netzteilen mit Überwachung der Fall.

Insbesondere was die Ausgangs und Eingangsleistung und die Effizienz angeht. Die gemessenen Ampere-Werte liegen zum Teil 20% neben der Realität, vor allem auf den Nebenspannung, besonders kleine Lasten werden zum Teil auch gar nicht erkannt. Insgesamt bekommt man aber ein recht gutes Bild von der Gesamtleistung, die im Bereich einer Abweichung von 20 Watt gerade bei höheren Lasten durch aus brauchbar ist. Bei niedriger Last sind die Werte entsprechend deutlich ungenauer.

Wer weiß, wie teuer Messtechnik ist, der wird  auch Verständnis für die Schätzungen haben, denn genauere Messungen würden die Kosten des Netzteils so in die Höhe treiben, dass niemand bereit wäre den Preis dafür zu bezahlen. Zumal der Gewinn an Genauigkeit, den Nutzen nicht wirklich deutlich verbessert.

Die Umschaltung des Netzteils zwischen Multi- und Singe-Rail Betrieb erfolgt einfach durch einen Knopfdruck. Anders als bei der Luxus-Serie AXi können hier keine weiteren Konfigurationen vorgenommen werden.

Wesentlich spannender ist das Feature zur Anpassung der Lüfterkurve, denn diese kann, wie man es von anderen Komponenten kennt, selbst konfiguriert werden.

Man darf sich also seine eigene Lüfterkurve bauen. Dabei gibt es allerdings eine sicherheitstechnische Einschränkung, denn sobald man an der Lüfterkurve spielt, wird der Semipassiv-Modus deaktiviert und man ist auf eine Mindestdrehzahl von 40% also etwa 800 UPM beschränkt.

Damit hat man leider weniger Möglichkeiten als beim Betrieb im Semi-passiv Modus. Corsair dürfte diese Einschränkung natürlich vorgenommen haben, damit niemand auf die Idee kommt, das Netzteil mit viel zu niedriger Drehzahl laufen zu lassen oder gleich ganz passiv zu schalten. Schön wäre allerdings gewesen wenn man wenigstens unterhalb von 30% Last den Passiv Modus hätte aktiv lassen können, das geht leider nicht. Man muss sich entscheiden zwischen dauerthaft aktiver selbst gebauter Lüfterkurve oder automatischem Semi-Passiv-Modus.

Technische Details und Spezifikationen

Die Netzteil der neue HXi 2022 Serie sind keine klassischen Single-Rail-Netzteile, obwohl das die Spezifikationen vermuten lassen, in denen nur eine einzige 12V-Schiene mit maximaler Leistung angegeben ist. Die Netzteile lassen sich per Software zwischen einem Single- und einem Multirail-Betrieb umschalten, wobei das hier nichts anderes bedeutet, dass im Singlerail-Betrieb die OCP so um konfiguriert, dass das Netzteil bei höheren Lasten auf einzelnen Anschlüssen nicht abschaltet. Die OCP wird also quasi hoch gesetzt.

Die HXi Serie kann mit 100 bis 240 Volt betrieben werden und ist damit weltweit einsetzbar, wenn man den richtigen AC-Stecker zur Hand hat. In der EU wird natürlich der normale Kaltgerätestecker mitgeliefert, aber nur beim 1000 Watt Modell. Das größere 1500 Watt Modell besitzt den größeren C19 Anschluss.  

Die beiden Nebenspannungen leisten zusammen bis zu 150 Watt, was extrem viel ist, da die meisten Hersteller sich hier auf 100 Watt beschränken. Eine geringere Angabe des Werts optimiert nämlich sowohl die Effizienz beim 80 Plus Siegel und hat zudem auch Auswirkungen auf die Spannungsstabilität der Nebenspannungen. Jede einzelne 3,3 V und 5V ist auf 25A ausgelegt.

Die Standby und -12V Spannung liegen auf den üblichen Werten von 0,3 und 3A. Diese Angaben sind allerdings meist obligatorisch und Netzteile leisten zum Teil auch deutlich mehr auf diesen beiden Leitungen.

Spezifikationen Leistung
Modell1000 Watt1500 Watt
Leistung gesamt10001500
Peak Leistung==
Leistung 3.3/5V gesamt150150
12V-Gesamt83.3A
999.6W
125A
1500W
12V-Rails11
Leistung Rails--
3,3V25A25A
5V25A25A
-12V0.3A0.3A
5 V SB3A3A

Für den Test des Netzteils nutzen wir die Lastverteilung, die nach der 80-Plus-Spezifikation für die verschiedenen Schienen vorgesehen ist. Dabei handelt es sich um eine symmetrische Verteilung, die alle Schienen gleichmäßig nach ihrer maximalen Leistung beansprucht.

Das Diagramm unten zeigt die genutzten Lasten im Vergleich zur maximal möglichen Ampere-Leistung. Diese Verteilung entspricht im Test 100% Last. 0 % Last bedeutet, dass das Netzteil mit jeweils 0 Ampere Einstellung am Load-Tester läuft und lediglich die Spannungen der einzelnen Schienen ohne zusätzliche Last gemessen werden. Es ist also an alle Schienen nur ein Voltmeter in Betrieb und das Netzteil läuft ansonsten im Leerlauf

Lieferumfang und Kabel

Der Lieferumfang der Netzteile ist bei Corsair quasi standardisiert und fällt eigentlich immer gleich aus. Es gibt das Netzteil, dazu ein kleines Tütchen mit Schrauben und ein paar Kabelbinder. Ebenso dabei sind natürlich alle Kabel und eine Tasche für nicht benötigte Modularkabel. Eine echte Besonderheit bei HXi 2022 ist dass das Netzteil wie bereits erwähnt 3 EPS-Kabel für die Stromversorgung der CPU besitzt.

Bis auf das ATX-Kabel sind alle weiteren als Flachbandkabel ausgeführt, was der Verlegung im Gehäuse zu Gute kommt, insbesondere dann, wenn das Gehäuse hinter dem Mainboard nur wenig Spielraum bietet.

Aus der Tabelle unten kann die komplette Kabelkonfiguration entnommen werden kann.

Kabellänge  
KabelAnzahl
Kabel
Anzahl
Stecker
Länge mm
(Stecker zu Stecker)
 
ATX 20+4 Pin11610 
EPS 8 PIN31650 
VGA 8 (6+2) Pin 775 
SATA24800 
MOLEX24750 
Floppy    

Unser Test-Equipment

Gerade wenn es darum geht kleinste Unterschiede in der Effizienz zu bestimmen und so ein Netzteil qualitativ einordnen zu wollen, ist extrem teures professionelles Messequipment unabdingbar. Bei günstigen Messgeräten sind die Messtoleranzen so hoch, dass eine korrekte Einschätzung der Performance im Vergleich zu anderen Netzteilen kaum möglich ist. Gerade wo die Netzteile in den letzten Jahren immer enger zusammenrücken.

Wir werden In Sachen Testequipment direkt vom deutschen Chroma Service Center unterstützt. Chroma ist auf professionelles Testequipment zur Effizienzmessung spezialisiert und unterstützt uns mit Know-How in Sachen Messtechnik. Die Messtechnik von Chroma gilt im Bereich der Netzteilproduktion und Qualitätskontrolle als Referenz.

Neben der Chroma Teststation verfügen wir über weitere präzise Messinstrumente wie Keysight 34461a 6,5 Digit-Voltmeter, drei 4-Kanal-Oszilloskope mit 100 MHz, mit denen wir konstant alle Spannungen des Netzteils sowie die PG, PS_ON und AC-In Signale überwachen. Zu Kontrolle der Ripple-Noise-Werte besitzen wir zudem eine Low-Voltage-Differential-Probe, wie sie in den ATX-Spezifikationen vorgeschlagen wird.

Das gesamte Testequipment ist unser Eigentum und wurde von uns selbst angeschafft. Es wird nicht von einem Netzteilhersteller bereitgestellt und wurde auch nicht von Netzteilherstellern gesponsert. Wir sind diesbezüglich also völlig unabhängig.

Wer unsere Tests regelmäßig verfolgt, der weiß, dass wir zudem auch noch Zugriff auf die Teststation von Cooler Master in direkter Nähe in Eindhoven haben und in Zweifelsfällen dort unsere Ergebnisse an einer zweiten Station aber in einem anderen Setup verifizieren können. Wir sind nun also nun in der mehr als "luxuriösen" Lage gleich zwei Chroma-Teststationen in direkter Reichweite zu haben um unserer Ergebnisse zu validieren.

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