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Seasonic Prime Titanium Fanless im Test

Lüfterloser Luxus - passive 600 Watt mit 95% Effizienz

Wenn es darum geht ein wirklich gutes Netzteil in die Hände zu bekommen, dann spielen verschiedene Qualitätsmerkmale eine Rolle, die aus einem durchschnittlichen ein exzellentes Netzteil machen. Neben den immer noch zentralen Thema Effizienz, Laustärke und Temperatur, die bei den meisten Usern ganz oben auf der Wunschliste stehen und direkt zusammenhängen, sind es vor allem Dinge wie die Schutzschaltungen, die Spannungsregulation, Ripple und mehr, die sich zum Teil deutlich unterscheiden.

Dazu kommen wichtige Aspekte wie die Kompatibilität, die sich zum wesentlichen aus dem Einhalten der ATX-Spezifikationen in Sachen Housekeeping, also dem korrekten Verhalten beim Ein- und Ausschalten oder unter wechselnden Belastungen ergeben. In unseren Tests überprüfen wir die wesentlichsten dieser Aspekte bis ins kleinste Detail. Im Laufe von drei Jahren intensiver Aufbauarbeit haben wir uns eine komplette Chroma-Teststation zusammen gebaut und arbeiten derzeit sogar an einer zweiten etwas kleineren. Damit dürften wir in Sachen Netzteile mittlerweile dass am besten ausgestattete Online-Magazin der Welt sein. Und das Beste daran, sämtliches Equipment befindet sich in unserem persönlichen Besitz ohne Herstellersponsoring oder Fremdfinanzierung. Wir sind also komplett unabhängig von den Herstellern sowohl das die Zeit oder auch eine eine Beeinflussung beim Testen angeht.

In unserem neusten Test, den wir über die letzten Wochen durchgeführt haben, geht es mal wieder ans ?Eingemachte. Wir haben uns ein Netzteil in die Redaktion geholt, das unser Testequipment in Sachen Präzision wieder einmal fordern wird und aus der Königsklasse der PC-Netzteile stammt.

Wer unseren Test des Seasonic Prime Titanium gelesen hat, wird sich vielleicht erinnern, dass  Netzteile aus Sea Sonics Top-Klasse mittlerweile eine Spannungsqualität aufweisen, die an Labornetzteile erinnert und selbst den Präzisionsbereich einer 100.000 Euro teuren Chroma an ihre Grenzen bringt. Bei Netzteilen dieser Klasse treten zum Teil nur Spannungsschwankungen von unter 0.005 V Volt auf, die man erfassen muss. Wer sich darunter wenig vorstellen kann hier ein kleiner Vergleich. Die ATX Spezifikation erlaubt eine Ripple (Restwelligkeit) von 120 mV also 0,12 V auf der 12V Schiene. Top Netzteile wie das Seasonic Prime besitzen einen Spannungsabfall von etwa 0.03 V also 30 mV. Der Spannungsabfall dieser Modelle von Lastfrei bis 100% Last, liegt also deutlich unterhalb der erlaubten Restwelligkeit. Der laut ATX-Spezifikation erlaubte Spannungsabfall wäre 10% also 1,2 V.  Die erlaubten Werte werden hier also um den Faktor 40 unterschritten!

Unser neuster Testkandidat, der sich der Herausforderung stellt ist das Seasonic Prime Titanium Fanless. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass ein passives Netzteil der höchsten Effizienzklasse derzeit den größten Schwierigkeitsgrad für einen Netzteilhersteller darstellt.  Der Hersteller muss hier ohne aktive Kühlung unter Volllast das Gleiche erreichen, was er sonst bequem mit einer aktiven Kühlung zusammenbauen kann. Dabei muss man wissen, dass es mit steigenden Temperaturen immer schwerer wird, Effizienz und auch Regulation in die richtigen Bahnen zu lenken. Aktive Netzteile, bei denen man den Lüfter anhält können unter Last in der Effizienz schnell um 2-5 % sinken. Viele Hersteller erkaufen sich bessere Effizienzen daher auch mit hohen Lüfterdrehzalen unter Volllast. Bei einem passiven Netzteile fällt dieser Trick natürlich flach. Um die Temperaturen des Seasonic Prime Titanium Fanless genauer unter die Lupe nehmen zu können, haben wir uns zu diesem Zweck eine professionelle mobile Wärmebildkamera von Flir mit 320x240 Pixeln Auflösung zugelegt, mit der wir das Netzteil leicht aus allen Blickwinkeln kontrollieren können. 


(Wärmebildaufnahme der Transformatoren im Seasonic Prime Titanium Fanless)

Seasonic hat sich der Herausvorderung angenommen und ein auf Basis der Prime Serie überarbeitetes passives Netzteil auf den Markt gebracht, das die Performance eines Prime Titanium ohne Lüfter liefern soll. Was die Ausstattung dieses Netzteils angeht, erübrigen sich viele Worte. Das voll-modulare  Prime Titanium Fanless ist nur in 600 Watt erhältlich und bietet Technik vom Feinsten.

Trotz passivem Betrieb gibt Seasonic eine Betriebstemperatur von 0-50 Grad an. Das volle Programm an Schutzschaltungen OPP, OVP, UVP, OCP, OTP, SCP ist genauso vorhanden wie die von Seasonic bekannte 12 Jahre Garantie, die gerade auf ein passives Netzteil beachtlich ist. Viele Hersteller verbauen gerade auch deshalb einen Lüfter, weil sie damit die Komponenten auf niedrigeren Temperatur halten und so die Lebensdauer verlängern. 

Wie üblich schicken wir auch das Prime Titanium Fanless über unseren kompletten Testparcours und haben dabei besonderes Augenmerk auf die Temperaturen gelegt, die wir euch mit einer Reihe von interessanten Aufnahmen mit der Wärmebildkamera zeigen können. Bei einem passiven Netzteil ist dies natürlich erheblich einfacher als bei einem aktiven, denn das Netzteil lässt sich einfach ohne Abdeckung mit freiem Blick auf die Komponenten betreiben.

Unser Sample stammt übrigens nicht von Sea Sonic, sondern direkt aus dem Handel um genau zu sein von Amazon und ist daher ein randomisiertes Retail-Muster, wie es so auch beim Kunden landet.

Also los geht es mit unserem Test und bei Fragen, Vorschlägen oder gerne auch Kritik rund um Netzteile oder zum Testbericht, schaut einfach in unserem Netzteil-Forum vorbei, wo sich mittlerweile einige Experten zusammen gefunden haben.

Unser Test-Equipment

Gerade wenn es darum geht kleinste Unterschiede in der Effizienz zu bestimmen und so ein Netzteil qualitativ einordnen zu wollen, ist extrem teures professionelles Messequipment unabdingbar. Bei günstigen Messgeräten sind die Messtoleranzen so hoch, dass eine korrekte Einschätzung der Performance im Vergleich zu anderen Netzteilen kaum möglich ist. Gerade wo die Netzteile in den letzten Jahren immer enger zusammenrücken.

Wir werden In Sachen Testequipment direkt vom deutschen Chroma Service Center unterstützt. Chroma ist auf professionelles Testequipment zur Effizienzmessung spezialisiert und unterstützt uns mit Know-How in Sachen Messtechnik. Die Messtechnik von Chroma gilt im Bereich der Netzteilproduktion und Qualitätskontrolle als Referenz.


(Zwei Prime Titanium in Aktion an unserer Teststation)

Neben der Chroma Teststation verfügen wir über weitere präzise Messinstrumente wie Keysight 34461a 6,5 Digit-Voltmeter, drei 4-Kanal-Oszilloskope mit 100 MHz Bandbreite, mit denen wir simultan alle Spannungen des Netzteils sowie die PG, PS_ON und AC-In Signale überwachen. Zu Kontrolle der Ripple-Noise-Werte besitzen wir zudem eine Low-Voltage-Differential-Probe, wie sie in den ATX-Spezifikationen vorgeschlagen wird.

Das gesamte Testequipment ist unser Eigentum und wurde von uns selbst angeschafft. Es wird nicht von einem Netzteilhersteller bereitgestellt und wurde auch nicht von Netzteilherstellern gesponsert. Wir sind diesbezüglich also völlig unabhängig.

Wer unsere Tests regelmäßig verfolgt, der weiß, dass wir zudem auch noch Zugriff auf die Teststation von Cooler Master in direkter Nähe in Eindhoven haben und in Zweifelsfällen dort unsere Ergebnisse an einer zweiten Station aber in einem anderen Setup verifizieren können. Wir sind nun also nun in der mehr als "luxuriösen" Lage gleich zwei Chroma-Teststationen in direkter Reichweite zu haben um unserer Ergebnisse zu validieren.



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